Politik

Diskussion um Steuerung von Arztbesuchen über Krankenkassen-Apps

  • Mittwoch, 11. März 2026
/ARAMYAN, stock.adobe.com
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Osnabrück – Arztbesuche sollten in Zukunft stärker digital gesteuert werden. Der GKV-Spitzenverband will dafür die Apps der Krankenkassen einsetzen. Die Vertragsärzte können der Idee nur wenig abgewinnen.

„Wir haben im EU-Vergleich viele Arzt-Patienten-Kontakte, das ist eine offenkundige Herausforderung“, sagte der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Oliver Blatt, der Neuen Osnabrücker Zeitung. Das sei einer der Gründe, weshalb Menschen lange auf Arzttermine warten würden.

Ein Ausweg sei der Einsatz einer App der jeweiligen Krankenkasse. „Der Patient wird über ein digitales Tool eingeschätzt und erhält anhand der geschilderten Symptome eine valide Empfehlung. Muss ich wirklich zum Arzt? Wenn ja, zu welchem? Oder reichen zwei Tage Bettruhe?“, so Blatt weiter.

Allerdings, schränkte der GKV-Vorsitzende ein, müssten über ein solches System auch Termine vergeben werden. „Voraussetzung dafür wiederum wäre, dass alle Ärzte einen relevanten Anteil ihrer Termine an das künftige bundeseinheitliche Terminverzeichnis melden.“ Kapazitäten dürften nicht vorrangig an Privat- oder gesetzlich Versicherte vergeben werden, sondern rein nach Dringlichkeit.

Die Digitalisierung sieht Blatt auch dann als einen Vorteil, wenn es zu einer elektronischen Überweisung vom Haus- zum Facharzt kommt. „Es wäre auch garantiert, dass der Spezialist schon die erste Diagnose hat und mit dem Patienten nicht von vorn beginnen muss“, sagte Blatt.

„Es ist schon abstrus, vorzuschlagen, jede einzelne Krankenkasse solle eine eigene App zur digitalen Ersteinschätzung vorhalten. Und zugleich soll es ein bundesweites Terminvergabesystem unter Kassenhoheit geben“, sagte Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), dem Deutschen Ärzteblatt.

Aus seiner Sicht spiegeln sich zwei Dinge darin wider. Es gebe eine „unbändige Kontrolllust der Kassenfunktionäre und eine bewusste Verdrängung der Versorgungsrealität“, so Gassen. Er betonte, eine Ersteinschätzung sei aber zuallererst eine originär ärztliche Aufgabe, die sich nach medizinischen Kriterien richte.

„Sie gehört nicht in die Hände von Krankenkassen, die versucht sein könnten, eine Ersteinschätzung eher als restriktives Instrument zu nutzen, um ärztliche Behandlungen im Einzelfall zu erschweren“, sagte der KBV-Chef.

Darüber hinaus verfügten KBV und Kassenärztliche Vereinigungen mit der 116117 über ein bundesweit eingesetztes System, über das Patienten online, per App und telefonisch sowohl Termine buchen als auch sich digital unter medizinischen Aspekten ersteinschätzen lassen könnten, wenn sie nicht wüssten, welche Versorgungsebene die richtige sei.

„Das Rad muss also nicht noch einmal erfunden werden“, so der KBV-Chef. Damit ließe sich eine bessere Patientensteuerung erzielen, aber keine schnellen Einsparungen. Zudem müsse eine Steuerung auch mit Konsequenzen verbunden sein, wenn sich Versicherte partout nicht dran halten würden.

kna/may

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