EMA: Zolpidem kann Fahrtüchtigkeit und Reaktionsvermögen senken
London – Die Fachinformationen zu Zolpidem-haltigen Hypnotika sollen in Zukunft stärker als bisher auf die mögliche Beeinträchtigung von Fahrtüchtigkeit und mentaler Aufmerksamkeit hinweisen, zu denen es am Morgen nach Einnahme des Schlafmittels kommen kann. Das rät der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur. Eine Dosissenkung, wie sie die US-Arzneibehörde FDA im letzten Jahr für Frauen ausgab, wurde jedoch nicht empfohlen.
Das 1992 eingeführte Zolpidem gehört zu den sogenannten Z-Drugs, die als Alternative zu den Benzodiazepinen entwickelt wurden. Zu ihren Eigenschaften gehört eine kurze Halbwertzeit, die die Wirkstoffspiegel nach der Einnahme der Medikamente rasch abfallen lässt. Das daraus abgeleitete Versprechen, dass die Patienten am nächsten Morgen nicht nur ausgeschlafen sind, sondern auch frei von sedierenden Nachwirkungen, wurde im letzten Jahr durch pharmakokinetische Studien der FDA infrage gestellt.
Dort hatten 15 Prozent der Frauen und 3 Prozent der Männer 8 Stunden (also der durchschnittlichen Dauer einer Nacht) nach der Einnahme einer Schlaftablette mit 10mg Zolpidem noch Wirkstoffkonzentrationen von 50 ng/dl oder mehr im Blut, bei denen nach Einschätzung der FDA die Fahrtüchtigkeit soweit gestört ist, dass das Risiko von Unfällen erhöht ist. In Einzelfällen waren auch Wirkstoffkonzentrationen von 90 ng/dl oder mehr gemessen worden.
Die FDA hat daraus die Konsequenz gezogen, die empfohlene Dosis für Frauen von 10 mg auf 5 mg zu senken und diese Dosis auch Männern nahegelegt. Der PRAC hält nach seiner Empfehlung dagegen die Dosis von 10 mg weiterhin für vertretbar. Diese Menge dürfe jedoch nicht überschritten werden und die Patienten sollten im Verlauf der Nacht keine zweite Tablette einnehmen. Ältere Personen sowie Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion sollten nur eine Tablette mit 5 mg einnehmen.
Weiterhin sollten die Anwender darauf achten, dass mindestens 8 Stunden seit der Einnahme der Tablette vergangen sind, bevor sie sich wieder hinter das Steuer setzen oder andere Aktivitäten beginnen, die die volle mentale Aufmerksamkeit erfordern. Zolpidem sollte auch nicht zusammen mit anderen Medikamenten eingenommen werden, die auf das Zentralnervensystem wirken. Sie sollten außerdem Alkohol oder andere Substanzen, die die mentalen Funktionen beeinträchtigen, nicht gemeinsam mit Zolpidem einnehmen.
Ein Grund für die Variabilität der Zoplidemwirkung sehen Experten im Abbau des Wirkstoffs über mehrere Cytochrom-P450-Enzyme in der Leber. Die Fachinformationen weisen darauf hin, dass Substanzen, die diese Enzyme induzieren, den hypnotischen Effekt verkürzen, weil sie den Abbau von Zolpidem verlangsamen: Dazu gehören Rifampicin, Carbamazepin oder Phenytoin. CYP3A4-Hemmer wie Azol-Antimykotika, Makrolid-Antibiotika, aber auch Grapefruitsaft können die Zolpidem-Wirkung dagegen verstärken.
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