Endoprothesenregister gibt Auskunft über vorzeitige Wechselgründe

Berlin – Bei einem akuten Ersatz des gesamten Hüftgelenks nach einer Oberschenkelfraktur ist die Wahrscheinlichkeit für eine Wechseloperation in den ersten zwei Jahren rund doppelt so hoch wie bei einem Eingriff, für den Patient und Arzt den Zeitpunkt frei wählen. Dies ist ein Ergebnis aus dem Endoprothesenregister Deutschland (EPRD). Das Register – initiiert von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie – hat heute seinen zweiten Jahresbericht vorgelegt.
„Das Register will langfristig die Qualität der künstlichen Hüft- und Kniegelenke beurteilen und frühzeitig auf etwaige Qualitätsprobleme bei Implantaten oder Versorgungsformen hinweisen, um damit die Zahl der vermeidbaren Wechseloperationen zu verringern“, erläuterte die Fachgesellschaft in der Einleitung des Berichtes.
137.295 endoprothetische Eingriffe an der Hüfte
Das EPRD erfasst als freiwilliges Register seit annähernd fünf Jahren endoprothetische Eingriffe an Knie und Hüfte in Deutschland. Dank der gestiegenen Zahl der Krankenhäuser, die ihre Operationsdaten an das Register übermittelten, und der innerhalb der Kliniken steigenden Erfassungsrate von Operationen hat sich das EPRD laut Fachgesellschaft kontinuierlich weiterentwickelt. Für 2016 erreichten das Register Dokumentationen aus 673 verschiedenen Häusern.
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 137.295 endoprothetische Eingriffe an der Hüfte und 107.892 am Knie dokumentiert. Seit Beginn der Datenfassung 2012 wurden dem EPRD so mehr als 600.000 Operationen übermittelt. „Zwar ist es für mittel- und langfristige Ergebnisse noch zu früh, erste richtungsweisende Informationen für Operateure und Implantatehersteller bietet das EPRD aber bereits jetzt“, hieß es aus der Fachgesellschaft.
So betrug der Anteil an Hüft-Totalendoprothesen im Jahr 2016, die ohne Verwendung von Zement im Knochen verankert wurden, 78,4 Prozent. „Lediglich in der Schweiz liegt der Anteil zementfreier Verankerungen in einer ähnlichen Größenordnung“, berichten die Autoren. Während Deutschland bei den Hüfteingriffen eine Vorreiterrolle in Bezug auf die zementfreie Versorgung einnehme, sei es bei den Knieeingriffen ein Verfechter der Zementierung. Die vollständige Zementierung von Knieendoprothesen sei auch international Standard und stelle die mit Abstand am häufigsten gewählte Verankerungsart dar.
Die Registerzahlen zeigten auch, dass Begleiterkrankungen wie Depressionen, Übergewicht oder Diabetes einen Einfluss auf den Transplantaterfolg haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass beim Vorliegen einer dieser Erkrankungen eine Wechseloperation notwendig wird, sei bei den betroffenen Patienten höher als bei Patienten ohne entsprechende Diagnose.
„Das Vorhandensein bestimmter Risikofaktoren beziehungsweise Begleiterkrankungen geht in der Frühphase teils sogar mit deutlicheren Unterschieden in der Ausfallwahrscheinlichkeit einher, als zwischen den betrachteten verschiedenen Versorgungsformen festgestellt werden konnte“, heißt es in dem Jahresbericht. Das zeige, wie wichtig die gesamte Versorgungskette inklusive der beim Patienten diagnostizierten Risikofaktoren für den Implantaterfolg sei.
Das EPRD wird vom AOK-Bundesverband, dem Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) und dem Verband der Ersatzkassen (vdek) unterstützt. Beim Aufbau des Registers hatte sich auch die Deutsche Arthrose-Hilfe engagiert. Das Register hat vom Bundesministerium für Gesundheit mehrfach Fördermittel erhalten.
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