England: FOBT-Darmkrebsscreening bewährt sich
Nottingham – Während andere Länder, darunter Deutschland, bei der Darmkrebsfrüherkennung auf die Koloskopie setzen, basiert das English Bowel Cancer Screening nach wie vor auf Stuhltests zum Nachweis von okkultem Blut (FOBT). Die Erfahrungen nach der ersten Million Teilnehmern sind positiv. Laut der Publikation in Gut (2011; doi: 10.1136/gutjnl-2011-300843) könnte die Sterblichkeit am Darmkrebs um ein Sechstel gesenkt werden.
Das landesweite Darmkrebsscreening wurde im Juni 2006 eingeführt. Alle Engländer im Alter von 60 bis 69 Jahren erhalten heute alle 2 Jahre eine Einladung. In der ersten Runde hatten 2,1 Millionen Engländer per Post einen Guajak-Test zugeschickt bekommen. Sie sollten insgesamt sechs Proben aus drei Stuhlgängen abgeben. 1,06 Millionen (49,6 Prozent der Männer und 54,4 Prozent der Frauen) haben den Test-Kit an eines der fünf zuständigen Labore zurückgeschickt.
Bei 2,5 Prozent der Männer und 1,5 Prozent der Frauen war der Test positiv. Sie wurden zu einer Koloskopie eingeladen. Bei den 17.518 Endoskopien wurden 1.772 Kolorektalkarzinome (bei 11,6 Prozent der Männer und 7,8 Prozent der Frauen mit positivem Stuhltest) entdeckt. Weitere 6.543 Teilnehmer hatten Hoch-Risiko-Adenome (43 Prozent der Männer und 29 Prozent der Frauen).
Die Karzinome waren zu 71 Prozent in einem frühen Stadium mit „guten“ Heilungschancen: 10 Prozent „Polypenkrebs“, 32 Prozent Dukes A, 30 Prozent Dukes B). 77 Prozent der Tumoren waren linksseitig (29 Prozent im Rektum, 45 Prozent im Sigmoid).
Die Ergebnisse entsprechen laut Studienleiter Richard Logan von der Universität Nottingham den Erfahrungen aus einer vorangegangenen Pilotstudie. Logan rechnet damit, dass das Screening die Darmkrebssterblichkeit um 16 Prozent senkt, wobei er sich auf die Ergebnisse früherer randomisierter klinischer Studien (Meta-Analyse in BMJ 1998; 317: 559–65) und auf eine Einschätzung der Cochrane Collaboration (Am J Gastroenterol. 2008; 103: 1541-9) stützt.
Bei Verwendung eines moderneren immunologischen Stuhltests könnte die Darmkrebssterblichkeit sogar um 25 Prozent gesenkt werden, schreibt Logan mit Bezug auf eine Studie aus den Niederlanden (Gastroenterology 2008; 135: 82-90).
Doch hierfür fehle derzeit wohl das Geld, meinte der Epidemiologe mit Blick auf das derzeitige Staatsdefizit. Das Screening wird in England im Rahmen des Staatlichen Gesundheitsdienstes angeboten. Eine Koloskopie steht derzeit nicht zur Debatte. Ganz oben auf der Wunschliste steht eine Sigmoidoskopie. Die Kosten-Effektivität ist den Briten wichtiger als Perfektion.
Durch den kostenlosen und unaufgeforderten Versand der Tests ist die Inanspruchnahme des FOBT-Darmkrebsscreening in England deutlich höher als in Deutschland. Laut versorgungsatlas.de beteiligten sich hierzulande 2008 nur 10 bis 20 Prozent der Ziel-Altersgruppen am Okkultbluttestes. Die Inanspruchnahme des Koloskopie-Screening lag in den meisten Bundesländern bei unter 3 Prozent.
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