Enormer Dokumentationsaufwand: Wie Kliniken ihren Ressourcenverbrauch reduzieren

Erlangen – Bis zu drei Stunden täglich verbringen Klinikärzte am Schreibtisch statt am Krankenbett. Zur Qualitätssicherung muss der Behandlungsverlauf dokumentiert werden. In der Fachzeitschrift Das Gesundheitswesen (DOI:10.1055/s-0035-1554707) haben Forscher den enormen Dokumentationsaufwand am Beispiel der Brustkrebsbehandlung belegt. Um den Aufwand zu begrenzen, stellen sie Vorschläge zur Optimierung vor.
Aufnahme- und Entlassgespräche müssen dokumentiert, der Behandlungsverlauf in der Patientenakte notiert, Berichte verfasst und Kassenanfragen beantwortet werden. Für Matthias W. Beckmann und Michael P. Lux von der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen und deren Mitautoren aus zahlreichen anderen Kliniken besteht eine große Diskrepanz zwischen dem Dokumentations-Aufwand, welcher der medizinischen Qualitätssicherung dient, und den viel umfangreicheren Dokumentationsanforderungen. Am Beispiel der Versorgung von Brustkrebspatientinnen haben sie daher an sieben Zentren untersucht, wie viel Zeit und finanzielle Ressourcen die Patientendokumentation bindet. Gefördert wurde die Arbeit durch das Bundesministerium für Gesundheit.
„Von der Anamnese bis zum Ende der Nachsorge fallen für jede Patientin durchschnittlich 23 Stunden für die Dokumentation an“, fassen die Erlanger Mediziner zusammen. Dabei schwankt der zeitliche Aufwand zwischen den an der Studie teilnehmenden Zentren erheblich und liegt zwischen 11,5 und 32,5 Stunden pro Patientin. Entsprechend liegen auch die Dokumentations-Kosten von der Erstdiagnose bis zur Nachsorge sehr uneinheitlich zwischen 353 Euro am unteren und über 1084 Euro am oberen Ende der Skala. Dabei kam das einzige nicht-zertifizierte Brustzentrum unter den sieben teilnehmenden Einrichtungen auf die niedrigsten Werte, die Universitäten auf die höchsten.
Elektronische Akte und einheitliche Datensätze reduzieren Kosten
„Insgesamt liegen in den universitären Häusern die Dokumentationskosten deutlich über denen in nicht-universitären Häusern", konstatieren Klinikdirektor Beckmann und der leitende Oberarzt Lux. Dazu könne neben der Infrastruktur unter anderem die aufwendige Teilnahme an medizinischen Studien beigetragen haben. Eine Ausnahme bildet die Universität Tübingen, die mit 547 Euro pro Patientin recht niedrige Kosten für die Dokumentation ausweist. Hier wirkt sich offenbar die Einführung einer elektronischen Akte positiv aus, die eigens an der dortigen Frauenklinik entwickelt wurde. Derartige elektronische Lösungen könnten dabei helfen, unnötige Mehrfach-Dokumentationen zu vermeiden, so die Autoren der Studie.
Ein einheitliches, interdisziplinär nutzbares Dokumentationssystem, auf das alle an der Patientenversorgung mitwirkenden Berufsgruppen – auch im ambulanten Sektor – Zugriff haben, könnte die Dokumentationsabläufe erheblich straffen. Auch der Zahnarzt oder der Physiotherapeut könnte den Gesundheitszustand der Patientinnen mitdokumentieren. Einsparpotenzial sehen die Mediziner ebenfalls bei den Vorgaben zur onkologischen Qualitätssicherung – hier gebe es zu viele, teils nicht relevante Parameter, die erfasst werden müssten. „Es müssen wenige, dafür jedoch wirklich relevante Variablen für die Qualitätssicherung festgelegt werden“, fordern sie.
Weitere Ansatzpunkte für Einsparungen ergeben sich für die Autoren daraus, dass weit mehr als die Hälfte der Dokumentationskosten auf die Ärzte entfällt. Hier würde es entlastend wirken, nicht-ärztliche Berufsgruppen zu stärken und zum Beispiel die Ausbildung von medizinischen Dokumentationsassistenten auf dem Gebiet der Tumordokumentation zu fördern. Nicht zuletzt fordern die Autoren eine adäquate Vergütung der zertifizierten Zentren – die Arbeit zeigt Mehraufwand, der im Rahmen einer Zertifizierung anfällt, deutlich.
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