Entscheidungshilfe für Frauen mit genetisch bedingtem hohen Brustkrebsrisiko

Düsseldorf – Das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) fördert ein Projekt des Uniklinikums Köln zum genetisch bedingten Brustkrebs. Es soll betroffenen Frauen verständlich aufbereitete wissenschaftliche Informationen bereitstellen, damit sie sich für eine passende Behandlung entscheiden können. Dafür erhält die Klinik über drei Jahre vom Landeszentrum Gesundheit insgesamt 218.000 Euro.
Laut Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter stehen in NRW etwa 750 bis 1.500 Frauen pro Jahr vor schweren Entscheidungen: Aufgrund einer familiär bedingten Genmutation haben sie ein stark erhöhtes Risiko, an Brust- und Eierstockkrebs zu erkranken. Sie müssen zwischen verschiedenen Handlungsalternativen entscheiden, die von Abwarten über die Durchführung intensiver Früherkennungsmaßnahmen bis zur prophylaktischen Brustamputation oder Entfernung der Eierstöcke reichen kann.
„Wir wollen Frauen mit erhöhtem Krebsrisiko umfassende Informationen und bestmögliche Hilfe anbieten, um sie in dieser schwierigen Situation bei der Wahl der für sie passenden Form der Prävention zu unterstützen“, erklärte Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Bündnis 90/Die Grünen). Deshalb soll die Uniklinik eine Entscheidungshilfe erarbeiten, die betroffene Frauen bei einer ganzheitlichen Betrachtung und Bewertung ihrer individuellen Situation unterstützt.
„Neben medizinischen Fakten und ärztlicher Beratung wollen wir den Frauen ein strukturiertes Informationsangebot bieten, sodass sie ihre individuellen Wertvorstellungen, persönliche Lebenssituation sowie familiäre und psychische Aspekte systematisch in die Entscheidung miteinbeziehen können“, sagte die Ministerin. Ausgangspunkt seien die Bedürfnisse der Betroffenen, nicht Behandlungsabläufe oder medizinische Fachbereiche. „Ziel ist es, Entscheidungskonflikte zu minimieren, sodass die Frauen auch langfristig möglichst gut mit der belastenden Situation und den von Ihnen getroffenen Entscheidungen umgehen können“, so Steffens.
Neben Informationsmaterialien mit den besten verfügbaren wissenschaftlichen Daten und Fakten zur Erkrankung soll die Entscheidungshilfe Vor- und Nachteile verschiedener Behandlungs- und Präventionsmöglichkeiten sowie die individuelle Risikokonstellation verdeutlichen.
Durch Fragen, die jede Frau individuell für sich beantwortet, können systematisch auch die persönliche Lebens- und Familiensituation, psychische Faktoren sowie individuelle Vorstellungen einbezogen werden. Geplant ist, die Entscheidungshilfe im Projektzeitraum primär als digitale Anwendung einzusetzen. Nach erfolgreicher Erprobung soll sie später aber auch im Internet als Dokument zum Herunterladen zur Verfügung stehen.
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