Ergebnisse, die unter die Haut gehen: Kein Rückgang der Melanommortalität
Köln – Trotz bundesweiten Screenings gibt es keinen Rückgang der Hautkrebssterblichkeit in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommen Alexander Katalinic und Koautoren vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Heft 38 des Deutschen Ärzteblattes (Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 629-34).
Die Autoren gingen der Frage nach, warum trotz des Screenings die Sterblichkeit aufgrund von Hautkrebs nicht gesunken ist. Dazu ermittelten sie die Inzidenzraten des invasiven malignen Melanoms der Haut aus den Datenbanken der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland und des Krebsregisters Schleswig-Holsteins und betrachteten die entsprechenden Sterberaten in der Todesursachenstatistik. Die Auswertung ergab, dass die Hautkrebssterblichkeit fünf Jahre nach Beginn des Screenings insgesamt bei 2,3/100 000 lag und nicht gesunken ist.
Bevor in Deutschland bundesweit im Jahr 2008 das Hautkrebsscreening eingeführt wurde, gab es ein vorgelagertes Projekt in Schleswig-Holstein. Dieses konnte am Ende der Pilotphase einen Rückgang der Mortalitätsrate auf 1,0/100.000 aufweisen. Denselben Effekt erhoffte man sich auch für das daran anschließende nationale Screening.
Es muss, so Katalinic et al., diskutiert werden, ob das nationale Screening möglicherweise weniger intensiv ist als das während des Pilotprojektes. Ursache könnten unterschiedliche Faktoren sein, die aufgrund der fehlenden Evaluation des nationalen Screenings nur vermutet werden könnten. Dazu zählen Unterschiede in den Altersgruppen im Screening, beim Procedere, und in den Teilnehmerraten. Allerdings wäre es auch möglich, dass sich der Effekt des Screenings erst noch zeige und sich die Sterblichkeit erst in den Folgejahren verringere. Katalinic und Koautoren empfehlen, das laufende Hautkrebsscreening genauer zu evaluieren.
Eingeleitet wird der Beitrag durch ein Editorial von Hermann Brenner (Dtsch Arztebl Int; 2015; 112: 627-28). Sein Fazit: Die Fortsetzung des Hautkrebsscreenings in Deutschland ist in der derzeitigen Form angesichts der jetzt vorgelegten Daten kritisch zu beleuchten. Allerdings sollten hochwirksame Krebsvorsorge-Programme, wie beispielsweise für Darmkrebs oder Gebärmutterhalskrebs, nicht infrage gestellt werden.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: