Erstmals Vogelgrippe-Antikörper bei Milchkuh in Niederlanden entdeckt

Amsterdam – Die Niederlande haben erstmals bei einer Milchkuh Antikörper gegen hochpathogene aviäre Influenza H5N1 entdeckt. Soweit bekannt habe es einen solchen Nachweis bisher in Europa bei Milchvieh nicht gegeben, heißt es in einem Schreiben, in dem Landwirtschaftsministerin Femke Wiersma über den Fall informiert.
Darüber hatte das Nachrichtenportal Science bereits am Freitagabend berichtet. In dem Schreiben der Ministerin wird der Nachweis in der Milch als Hinweis darauf gewertet, dass die Kuh die Infektion durchgemacht hat – diese habe im Dezember auch passende Krankheitsanzeichen gehabt. Die Milch der Kuh sei damals nicht weiter für den menschlichen Verzehr verarbeitet worden.
Den Angaben zufolge gibt es bisher keine Hinwiese auf eine aktive Verbreitung des Vogelgrippevirus unter Milchkühen des Betriebs in der Provinz Friesland – und genauso wenig für eine Ausbreitung auf andere Milchviehbetriebe.
Erkrankte Katze gab Anlass zu Tests
Die Kuh war im Zuge eines Screenings nach dem Tod einer an Vogelgrippe erkrankten Katze im Umfeld des Hofes getestet worden. Aktive Erkrankungen bei den getesteten Kühen wurden nicht festgestellt, auch die Tankmilchproben des Betriebs fielen negativ aus, hieß es aus dem Ministerium. Es laufen noch weitere Untersuchungen.
Dass Milchkühe sich überhaupt mit Vogelgrippe infizieren können, ist erst seit dem Frühjahr 2024 bekannt. Damals bemerkten US-amerikanische Behörden einen schon länger laufenden Ausbruch bei Milchkühen, bis heute waren nachweislich mehr als 1.000 Herden in 19 US-Bundesstaaten betroffen. Der aktuellste Eintrag in einer Meldeliste des US-Landwirtschaftsministeriums stammt von Dezember 2025.
In den USA sind im Zuge dessen rund 70 Fälle von H5N1 bei Menschen dokumentiert worden, größtenteils waren es milde Verläufe bei Arbeitern auf Höfen, deren Rinder- oder Geflügelbestände infiziert waren. Zwei Menschen starben. Mensch-zu-Mensch-Übertragungen sind bisher nicht dokumentiert.
Risiko für öffentliche Gesundheit als niedrig eingestuft
Auch in den Niederlanden schätzen die Behörden das Risiko für die öffentliche Gesundheit bislang als niedrig ein. Bei Menschen, die in der Nähe des Betriebs wohnen oder die dort arbeiten, seien bisher keine verdächtigen Krankheitssymptome aufgetreten. Sicherheitshalber werde dennoch allen Menschen Tests angeboten, die Kontakt zur betroffenen Kuh hatten.
Die Niederlande verzeichnen derzeit insgesamt zahlreiche Vogelgrippeausbrüche bei Geflügelbetrieben und in Beständen von privaten Haltern, auch tote Wildvögel werden gefunden. Der Fall der Milchkuh passe daher in eine Zeit mit hohem Infektionsdruck, heißt es vom Landwirtschaftsministerium. Dennoch sei es eine besorgniserregende Entwicklung, daher werde man die Situation weiter genau beobachten.
Über die Quelle der Ansteckung ist bisher nichts bekannt. Mögliche Infektionswege könnten Kontakt mit infizierten Vögeln oder mit kontaminiertem Kot, Futter, Wasser oder Melkgeschirr sein, erläuterte das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), heute auf Anfrage. Derartige Ereignisse schienen jedoch sehr selten zu sein.
„Eine weitere Verbreitung des Virus von Kuh zu Kuh ist wohl aber nur möglich, wenn das Euter durch eine Virusinfektion betroffen ist und Virus mit der Milch innerhalb eines Betriebes in Euter anderer Kühe gelangt (z.B. durch kontaminiertes Melkgeschirr)“, heißt es weiter aus dem FLI. In der Regel bleiben Spillover-Infektionen von Vögeln auf Milchkühe Sackgassen für das Virus.
FLI: Vorsorglich prüfen, ob Monitoring in Frage kommt
Auf die Frage, was der Fall für Deutschland und Europa bedeute, erklärte das FLI, dass die Einhaltung strenger Biosicherheitsmaßnahmen innerhalb der Betriebe und beim Transport von Tieren grundsätzlich „das A und O“ blieben.
Es gelte, direkten oder indirekten Kontakt mit infizierten Vögeln, Futter, Einstreu, Material oder Melkgeschirr zu vermeiden. Wenn der Verdacht auf eine H5N1-Infektion vorliege, insbesondere bei Euterentzündungen, sollte dies diagnostisch abgeklärt werden.
Zudem könnte laut FLI vorsorglich geprüft werden, ob vor dem Hintergrund der hohen Fallzahlen bei Vögeln in Deutschland in dieser Saison ein Monitoring sinnvoll ist, „insbesondere im Hinblick auf eine mögliche zweite Welle von Geflügelpest im Frühjahr bei dann wieder vermehrtem Außenkontakt von Milchkühen“.
Betroffene Kühe geben weniger Milch
Hochpathogene Vogelgrippe kann sich bei Kühen unter anderem mit verminderter Milchproduktion, Fieber, Appetitlosigkeit und einer dickflüssigen, verfärbten Milch äußern. Ein großer Teil der Kühe übersteht die Erkrankung. Betroffene Rinderbestände wurden in den USA im Unterschied zu Geflügel nicht getötet.
Fachleute werteten die US-amerikanische Reaktion auf die Entwicklung als zu zögerlich, zudem wurde eine deutliche Untererfassung an Fällen angenommen. Die Sorge besteht vor allem darin, dass das Virus immer mehr Gelegenheit zur weiteren Anpassung an Säugetiere bekommt.
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