EU-Gesundheitsminister beraten über jüngsten Ebola-Ausbruch

Brüssel – Die Gesundheitsminister der Europäischen Union (EU) wollen am kommenden Freitag in einer „außerordentlichen“ Onlinesitzung über den jüngsten Ebola-Ausbruch in Zentralafrika beraten.
Bei dem virtuellen Treffen sollen Maßnahmen zur Vorsorge und zur Koordinierung zwischen den Mitgliedstaaten diskutiert werden, wie eine Sprecherin der zyprischen Ratspräsidentschaft gestern mitteilte. Ebola wird demnach auch beim regulären Treffen der EU-Gesundheitsminister am 16. Juni in Luxemburg Thema sein.
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte die EU wegen des Ausbruchs aufgefordert, die Grenzkontrollen zu verschärfen und ein Sondertreffen der Gesundheitsminister einzuberufen. Die EU hat erklärt, die Risiken für Europäer durch Ebola seien sehr gering.
Der Ebola-Ausbruch war am 15. Mai im Osten der Demokratischen Republik Kongo ausgerufen worden. Inzwischen wurde das Virus in insgesamt drei kongolesischen Provinzen sowie im Nachbarland Uganda nachgewiesen.
Im Ostkongo und Uganda steigt die Zahl der Ebola-Fälle an. Ugandas Gesundheitsministerium meldete sechs neue Fälle und damit 15 laborbestätigte Infektionen mit dem lebensbedrohlichen Virus seit Beginn des Ausbruchs in der benachbarten Demokratischen Republik Kongo. Bisher ist einer dieser Erkrankten verstorben.
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo melden Behörden mittlerweile 321 Fälle, die im Labor bestätigt wurden, darunter 48 Todesfälle. Aktuell gebe es 116 weitere Verdachtsfälle, bei denen Patienten sich mit typischen Symptomen gemeldet haben, aber noch nicht getestet wurden.
Bis vor wenigen Tagen war die Zahl der Verdachtsfälle im Ostkongo noch mit fast 1.200 angegeben worden. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sank die Zahl, weil ausstehende Proben getestet wurden. Neue Verdachtsfälle würden nicht direkt, sondern meist in Gruppen gemeldet. Die Zahl kann also auch plötzlich wieder nach oben gehen.
Ein Rückschluss von der gesunkenen Zahl darauf, dass der Ausbruch nun besser unter Kontrolle sei, sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier. Im Gegenteil könne eine hohe Zahl von Verdachtsfällen ein gutes Zeichen sein, da dies bedeute, dass die Erkennung potenzieller Fälle funktioniere und Menschen mit Symptomen sich meldeten.
Die WHO geht seit Bekanntwerden des Ausbruchs im Ostkongo Mitte Mai davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Infektionen deutlich höher liegt als die offiziell erfasste, weil der Ausbruch in der Provinz Ituri an der Grenze zu Uganda und dem Südsudan wochenlang unbemerkt blieb und nicht alle Fälle gemeldet werden.
Weniger Verdachtsfälle im Kongo noch kein gutes Zeichen Für den seltenen Bundibugyo-Typ des Ebolavirus, der für den Ausbruch verantwortlich ist, gibt es anders als für die häufigere Zaire-Variante keinen Schnelltest, außerdem weder eine Therapie noch einen Impfstoff.
Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einer Ebola-Epidemie in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben. Beim zweitschwersten erfassten Ausbruch von 2018 bis 2020 im Ostkongo starben rund 2.300 Menschen.
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