EU-Kommission warnt vor Gefahren durch neuartige Nikotinprodukte

Brüssel – Die EU-Kommission will angesichts der Gesundheitsrisiken durch neuartige Nikotinprodukte wie E-Zigaretten, Tabak-Erhitzungsgeräte und Nikotinbeutel die gesetzlichen Vorgaben aktualisieren. Die Kommission werde den rechtlichen Rahmen „dieses Jahr grundlegend überarbeiten“, kündigte EU-Gesundheitskommissar Oliver Varhelyi anlässlich der Veröffentlichung einer Evaluierung der EU-Tabakrichtlinie an.
Dem Bericht zufolge ist der Anteil der Raucher an der EU-Bevölkerung seit 2012 von 28 Prozent auf 24 Prozent gesunken. Noch stärker sei der Rückgang bei jungen Menschen gewesen. Auch die Todeszahlen in Verbindung mit Tabakprodukten sei erheblich zurückgegangen, heißt es in dem Dokument. Die Kommission führt dies auf strengere Regeln bei der Produktregulierung, auf Werbeverbote und Gesundheitswarnungen zurück.
Doch gerade für die jüngere Generation stellten die neuartigen Produkte ein Gesundheitsrisiko dar, heißt es in dem Bericht. Dies liege zum einen an den „attraktiven Eigenschaften“ dieser Produkte sowie an der „nachdrücklichen“ Onlinewerbung. E-Zigaretten und Erhitzungsgeräte werden häufig in bunten Verpackungen verkauft, es gibt unzählige Geschmacksrichtungen – von Obstsorten über Gebäck und Süßigkeiten bis hin zu Energydrinks.
Dem Bericht zufolge gibt es Erkenntnisse, dass die neuartigen Produkte bei Jugendlichen zu Nikotinabhängigkeit führen können und letztendlich auch zum Rauchen traditioneller Tabakprodukte. Während die Werbung in traditionellen Medien aufgrund von EU-Beschränkungen deutlich zurückgegangen sei, stelle der „verdeckte Charakter“ der digitalen Werbung für Tabak- und Nikotinprodukte eine „große Herausforderung“ dar.
Der Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) kritisierte den Bericht wegen angeblicher „erheblicher Defizite“ und einer „wissenschaftliche Schieflage“. Der Verband bemängelte, dass die Rolle rauchfreier Nikotinprodukte als Mittel zum Ausstieg aus dem Rauchen nicht genügend berücksichtigt worden seien.
Nach Ansicht des Verbands liefert der Bericht „keine belastbare Grundlage für eine ausgewogene Weiterentwicklung des europäischen Rechtsrahmens für Tabak- und Nikotinprodukte“. BVTE-Hauptgeschäftsführer Jan Mücke sprach von „Verbraucherbevormundung“.
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