Europäische Union aktiviert Katastrophenschutz-Mechanismus für Venezuela

Brüssel – Nach dem schweren Doppel-Erdbeben in Venezuela hat die Europäische Union (EU) den Katastrophenschutz-Mechanismus aktiviert, um Such- und Rettungsteams, Feuerwehrleute und medizinisches Personal in das südamerikanische Land zu entsenden.
Die EU habe zudem bereits fünf Millionen Euro an Nothilfe für betroffene Gemeinden bereitgestellt, erklärte die Außenbeauftragte Kaja Kallas im Onlinedienst X. Sie habe der venezolanischen Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez in einem Telefonat die europäische Solidarität zugesichert, schrieb Kallas. „Europa steht in dieser Stunde der Not an der Seite Venezuelas.“
Der Europäische Katastrophenschutz-Mechanismus bündelt die Kapazitäten der 27 EU-Länder sowie acht weiterer Staaten: Dies sind Albanien, Bosnien und Herzegowina, Island, Montenegro, Nordmazedonien, Norwegen, Serbien und die Türkei. Seit seiner Einrichtung 2001 wurde das Katastrophenschutz-Verfahren über 600 Mal aktiviert, für Nothilfe innerhalb und außerhalb der Europäischen Union.
Eingetroffen sind erste Helfer aus Deutschland. Das 48-köpfige Team einer auf Erdbebeneinsätze spezialisierten Bergungseinheit des Technischen Hilfswerks (THW) sei am Flughafen Caracas eingetroffen, teilte THW- Präsidentin Sabine Lackner vorgestern mit. Die Einsatzkräfte würden nun gemeinsam mit internationalen Partnern beginnen, die Lage zu erkunden.
Zu den ersten Prioritäten gehörten demnach die Abstimmung der Einsatzstellen und Einsatzoptionen sowie die Prüfung logistischer Rahmenbedingungen – damit man „so schnell wie möglich mit der Suche nach Vermissten“ beginnen könne.
Im Einsatzland starte nun „ein Wettlauf gegen die Zeit“, erklärte die THW-Präsidentin. Das Team werde in zwei Schichten arbeiten. So sei es möglich, rund um die Uhr nach Vermissten zu suchen. Mit dabei sind laut THW auch vier Suchhunde-Teams. Ziel ist es demnach, Überlebende in den Trümmern aufzuspüren.
Der internationale Flughafen Simón Bolívar in Venezuela wurde am Samstag teilweise wieder eröffnet. Eine der Start- und Landebahnen sei wieder in Betrieb, sagte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter Journalisten. Demnach landeten auf dem Flughafen US-Militärtransportflugzeuge mit Hilfsgütern. Später sollten zudem mobile Krankenhäuser eintreffen.
Auch liege nun das Marineschiff „USS Fort Lauderdale“ vor der venezolanischen Küste – was weitere Rettungsflüge rund um die besonders schlimm betroffene Küstenstadt La Guaira ermöglichen würde. Die US-Helfer seien somit „in der Lage, Menschen bei Bedarf mit Hubschraubern zu den medizinischen Einrichtungen auf diesem Schiff zu fliegen und es für die Führung, Kontrolle und Logistik sowie für den Lufttransport zu nutzen“.
Die USA hätten bereits Hilfsgelder in Höhe von rund 150 Millionen Dollar (rund 132 Millionen Euro) freigegeben. In den kommenden Tagen erwarte er die Ankündigung eines „weiteren Hilfspakets in neunstelliger Höhe“. Laut dem Beamten ist eine der Start- und Landebahnen durch die Beben „vollständig aufgerissen und unbenutzbar“. Das US-Militär werde auch „bei der Koordination der Flüge im Kontrollturm helfen“. Der Flughafen ist ihm zufolge angesichts der vielen internationalen Akteure und Hilfsorganisationen „sehr überlastet“.
Die Vereinten Nationen schätzen, dass fast sieben Millionen Menschen von den verheerenden Beben betroffen sein könnten. Dies sei nach der Auswertung verfügbarer Daten festgestellt worden, erklärte die Internationale Organisation für Migration (IOM). Allein in Caracas umfassen die Schätzungen zwei Millionen Menschen.
Das Doppel-Beben hatte sich am vergangenen Mittwoch im Abstand von nur 39 Sekunden westlich von Caracas ereignet. Die beiden Erdstöße hatten eine Stärke von 7,2 und 7,5. Danach kam es zu dutzenden Nachbeben. Zahlreiche Gebäude stürzten ein oder wurden schwer beschädigt. Nach Angaben der Behörden starben mindestens 1.430 Menschen, mehr als 3.200 Menschen wurden demnach verletzt. 50.000 Menschen gelten als vermisst.
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