Fachgesellschaft begrüßt neuen Kriterienkatalog zur Diagnose von Lupus erythematodes

Berlin – Neue Klassifikationskriterien zur Diagnose eines systemischen Lupus erythematodes (SLE) sollen dazu beitragen, dass Patienten mit SLE schneller erkannt und einer gezielten Therapie zugeführt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) begrüßte jetzt die Kriterien.
„Beim SLE verursachen Autoantikörper Entzündungen in verschiedenen Organsystemen“, sagte Martin Aringer, Leiter der Rheumatologie an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum der Technischen Universität Dresden. Die Krankheit könne sich daher prinzipiell überall im Körper bemerkbar machen. Besonders häufig seien jedoch Haut und Schleimhäute, Gelenke, Muskeln und Nieren von den Entzündungen betroffen, seltener auch das Gehirn.
Aufgrund der Vielfalt der Symptome werde der SLE oft erst spät erkannt, so die DGRH. Genaue Klassifikationskriterien seien eine entscheidende Grundlage für die Diagnostik, aber auch für die Testung neuer Medikamente und die Erforschung der Erkrankung.
Die neuen Kriterien seien präziser als die bisher verwendeten Kriterien des American College of Rheumatology und der Systemic Lupus International Collaborating Clinics. An der Erarbeitung waren europäische Rheumatologen und Fachgesellschaften intensiv beteiligt. Die neuen SLE-Kriterien tragen laut DGRh daher neben der ACR auch den Namen der europäischen Dachgesellschaft der nationalen Rheumatologischen Gesellschaften, der „European League Against Rheumatism“, kurz EULAR.
Als wichtigster diagnostischer Suchtest auf einen SLE gelten antinukleäre Autoantikörper (ANA) im Blut der Patienten. Diese können jedoch auch bei gesunden Menschen vorkommen, weshalb noch weitere Kriterien erfüllt sein müssen, um die Erkrankung als SLE einzuordnen.
Als SLE-typisch gelten schmetterlingsförmige Hautrötungen im Gesicht, Haarausfall, wunde Stellen in Mund oder Nase, Flüssigkeitsansammlungen um Lunge oder Herz, Eiweiß im Urin bei Nierenbeteiligung oder verschiedene Blutbildveränderungen. Diese werden jedoch nur dann als SLE-Symptome gewertet, wenn es keine näherliegende Erklärung gibt. Außerdem werden sie unterschiedlich stark gewichtet.
„Die Neugewichtung soll dazu beitragen, die Zahl der Fehleinschätzungen weiter zu verringern“, erläutert Aringer, der gemeinsam mit Sindhu Johnson von der Universität Toronto federführend an der Entwicklung der neuen EULAR/ACR-Klassifikationskriterien beteiligt war.
„Das Ziel muss sein, den SLE rasch zu erkennen und so zu behandeln, dass die Krankheitsaktivität verschwindet und Schübe ausbleiben. So können lebensgefährliche Situationen und dauerhafte Schäden vermieden werden – und ein weitgehend normales Leben bleibt möglich“, erläuterte der Experte. Dazu könnten die neuen Kriterien wesentlich beitragen.
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