Fachgesellschaft empfiehlt Dengue-Impfung auch für Reisende ohne vorangegangene Denguefieber-Infektion

Düsseldorf – Die Deutsche Fachgesellschaft für Reisemedizin (DFR) hält einen Aspekt der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert-Koch-Institut (STIKO) zu Impfungen gegen Dengue-Fieber für überholt. Die DFR empfiehlt, Reisende ohne vorangegangene Denguefieber-Infektion nicht mehr per se von einer Impfung gegen Dengue-Fieber auszunehmen.
Dengue-Fieber wird durch ein Virus aus der Familie der Flaviviridae ausgelöst, das in vier unterschiedlichen Serotypen vorkommt. Eine Infektion bietet keinen vollständigen Schutz gegen andere Serotypen. Die durch Moskitos übertragene Infektion hat sich weltweit in den vergangenen Jahren stark verbreitet, vor allem in tropischen und subtropischen Regionen. Doch auch in Südeuropa übertragen Mücken die Infektion bereits.
Im Dezember 2022 hat die Europäische Kommission einen tetravalenten attenuierten Lebendimpfstoff gegen Dengue zugelassen, seit März 2023 ist dieser auf dem deutschen Markt verfügbar. Die STIKO empfiehlt den Einsatz dieses Impfstoffs als Reiseimpfung aktuell für Personen ab vier Jahren, die bereits eine laborbestätigte Dengue-Infektion durchgemacht haben und in ein Endemiegebiet reisen. Zudem soll die Impfserie mit zwei Impfungen im Abstand von drei Monaten vor Reiseantritt abgeschlossen sein.
„Begründet wurde die Einschränkung vor allem mit einem hypothetischen Risiko eines Antibody Dependent Enhancement (ADE), also einem durch körpereigene Antikörper ausgelösten schwerwiegenderen Krankheitsverlauf bei Erstinfektion nach Impfung bei bislang nicht infizierten Personen“, erläutert Tomas Jelinek, Präsident der DFR. „Dieses Argument war zum Zeitpunkt der Empfehlung 2023 nachvollziehbar – auf Basis der heutigen Datenlage ist es jedoch nicht mehr haltbar“, so der DFR-Präsident.
Langzeitdaten über mehr als sieben Jahre sowie Real-World-Daten mit weltweit über 20 Millionen verabreichten Dosen hätten kein Sicherheitssignal für ein erhöhtes Risiko schwerer Verläufe durch ADE ergeben. „Die aktuellen Daten zeigen, dass die Impfung einen relevanten Schutz bietet und sicher ist – und zwar auch für Personen ohne vorherige Dengue-Infektion“, so Jelinek.
Auch die Zulassung der Europäischen Kommission für den Impfstoff sei weiter gefasst: Danach könne die Impfung für gefährdete Personen ab vier Jahren eingesetzt werden – unabhängig davon, ob bereits eine Dengue-Infektion durchgemacht wurde.
Wichtig für die reisemedizinische Praxis ist laut der DFR außerdem, dass bereits eine einzelne Impfdosis einen vorläufigen Schutz bieten könne. Dieser liegt laut der Fachgesellschaft mit rund 81 Prozent nahezu auf dem Niveau der vollständigen Impfserie. „Gerade bei kurzfristig geplanten Reisen oder einer kurzfristig in Anspruch genommenen reisemedizinischen Beratung ist es sinnvoll, mit der Immunisierung zu beginnen – auch wenn das Zwei-Dosen-Schema nicht vollständig eingehalten werden kann“, so Jelinek.
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