Fachgesellschaft fordert bessere psychotherapeutische Versorgung nach Adipositaschirurgie

Berlin – Auf die psychische Verfasstheit von Patienten nach einer bariatrischen Operation hat die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) hingewiesen. „Fettleibigkeit zieht nicht nur körperliche, sondern oft auch psychische Probleme wie etwa Depressionen nach sich“, erklärte die DGPM-Expertin Martina de Zwaan, Direktorin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie an der Medizinischen Hochschule Hannover.
Diese verbesserten sich nach einer OP in der Regel kurz- bis mittelfristig, könnten dann aber wieder zunehmen und sich sogar verstärken. Dies reiche bis hin zu einem erhöhten Suizidrisiko. Warum sich bei manchen Menschen die psychischen Beschwerden nach dem Eingriff verschärfen und welcher Zusammenhang genau mit der bariatrischen Chirurgie besteht, ist laut de Zwaan bislang noch nicht geklärt.
Vor allem Menschen, die im Vorfeld schon psychische Beschwerden hatten, tragen laut der DGPM ein erhöhtes Risiko. Bei bestimmten psychischen Störungen sollte der Eingriff deshalb erst nach erfolgreicher Behandlung durchgeführt werden, etwa bei einer Bulimie, einer akuten Suchterkrankung, einer Borderline-Störung oder einer Schizophrenie.
„Klar ist jedoch auch: Beim größten Teil der Patienten führt die Operation zu einer erheblichen Verbesserung der körperlichen und auch der psychischen Gesundheit“, betonte de Zwaan. Es sei daher wichtig, Menschen mit psychischen Problemen nicht zu stigmatisieren und eine Operation leichtfertig zu verweigern. Psychische Erkrankung im Allgemeinen, eine Binge-Eating-Störung oder auch Missbrauch in der Kindheit hätten sich beispielsweise nicht als Risikofaktor und Kontraindikation für einen adipositaschirurgischen Eingriff erwiesen, so die DGPM-Expertin.
Die Fachgesellschaft weist darauf hin, dass bariatrische Eingriffe bei extremem Übergewicht inzwischen Mittel der Wahl seien. In Deutschland erfolgten rund zwölf Eingriffe pro 100.000 Einwohner, das seien kapp 10.000 Operationen pro Jahr.
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