Ärzteschaft

Fachgesellschaft warnt vor Eigenmedikation von Schmerzen im Sport

  • Donnerstag, 22. Oktober 2020
/PooMtyKunG, stock.adobe.com
/PooMtyKunG, stock.adobe.com

Jena – Profi- und Freizeitsportler greifen häufig zu schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten, am häufigsten zu nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen. Offenbar erhoffen sich viele Sportler, Beschwerden oder Schmerzen zu lindern oder gar nicht erst aufkommen zu lassen. „Doch gerade der prophylaktische Gebrauch ist gefährlich, seine Verbreitung unter Nachwuchsathleten inzwischen besorgniserregend“, warnt die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS).

Die Fachgesellschaft verweist in in diesem Zusammenhang auf eine sportartenübergreifenden Studie aus diesem Jahr mit 313 Nachwuchsathleten. Darin gab jede vierte weibliche Athletin und jeder fünfte männliche Athlet an, zum Stichtag der Umfrage NSAR einzunehmen. Bei Umfragen auf Marathon-Veranstaltungen gab sogar die Hälfte der Freizeitsportler an, Schmerzmittel einzunehmen (BMC Muscoskeletal Disorders, doi 10.1186/s12891-020-03581-y).

„Durch falsche Vorbildfunktion, fehlende Aufklärung und Gewohnheit kann eine gefährliche Selbstmedikation entstehen – und das in Unkenntnis über das erhebliche Nebenwirkungspotential“, warnt die Fachgesellschaft.

Im Leistungssport habe es sich bewährt, vor der Einnahme jeglicher pharmakologischen Substanzen Rücksprache mit dem betreuenden Sportarzt zu halten. Im Breitensport fehlten solche Ansprechpartner aber häufig. „Fest steht: Beschwerden und Schmerzen während des Sports müssen professionell von medizinischer Seite abgeklärt und keinesfalls mit Medikamenten in Eigenregie therapiert werden. NSAR-Präparate weisen ein erhebliches Nebenwirkungs- und Gefahrenpotential auf“, warnte Thilo Hotfiel, Orthopäde, Unfallchirurg und Vorstandsmitglied der GOTS.

Er wies daraufhin, dass der Einsatz von Schmerzmitteln bekanntlich nicht die Ursachen der akuten oder überlastungsbedingten Beschwerden im Sport bekämpfe. Diese entstünden oftmals durch ein Missverhältnis zwischen Belastung und der individuellen Belastungsfähigkeit. „Die Anpassung und Steuerung der Trainingsbelastung und die individuelle Erfassung von Risikofaktoren sind die wichtigsten Eckpfeiler in der Prävention und Therapie“, hieß es aus der Fachgesellschaft.

hil

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung