Fachkräftemangel im Gesundheitswesen auf Agenda beim Indien-Besuch

Ahmedabad – Die Bundesregierung will mit Indien eine engere Partnerschaft knüpfen. Dabei geht es unter anderem auch um das Thema Fachkräftemangel – explizit auch im Gesundheitswesen. Das betonte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gestern beim Auftakt seiner Asienreise im indischen Ahmedabad.
„Wir wollen noch enger zu Bildung und Fachkräften zusammenarbeiten“, sagte Merz. Deutschland brauche qualifizierte Profis unter anderem in der Pflege und Indien verfüge über hervorragend ausgebildete junge Menschen.
Merz sprach von einer „Chance für beide Seiten“. Man bahne deshalb die Wege für legale und geordnete Migration über duale Ausbildungs- und Studienangebote, gezielte Visa- und Fast-Track-Verfahren sowie Partnerschaften zwischen Hochschulen und Unternehmen.
Schon heute gehörten Inderinnen und Inder mit zu den erfolgreichsten Zuwanderern in Deutschland. Das wolle man für die Zukunft weiter unterstützen und fördern, etwa durch einen Ausbau des digitalen Lernangebotes für die deutsche Sprache in Indien.
Und schließlich schaffe man „mit der ,Global Skills Partnership’ einen Rahmen für indische Fachkräfte im Gesundheitswesen“, sagte Merz, der mit dem indischen Premierminister Narendra Modi eine entsprechende Absichtserklärung für eine Ausbildungspartnerschaft zur Anwerbung indischer Pflegekräfte unterzeichnete.
Die gemeinsame Absichtserklärung sei ein „Symbol für dieses Vertrauen“, erklärte der Kanzler. Das werde die Einwanderung von Fachkräften im Bereich des Gesundheitswesens vereinfachen. Die Absichtserklärung wurde zwischen dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und dem indischen Gesundheitsministerium verhandelt.
Global Skills Partnership
„Mit der Absichtserklärung mit Indien konnten wir uns dem bevölkerungsreichsten Land der Welt auf gemeinsame Empfehlungen zur Fachkräftesicherung von qualifizierten Pflegekräften aus Drittstaaten einigen“, sagte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU).
Durch gemeinsame Standards bei der Ausbildung in Indien könnten langwierige und bürokratische Anerkennungsverfahren in Zukunft vermieden und gut ausgebildete Fachkräfte schneller in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden.
Mit der Ausbildungspartnerschaft („Global Skills Partnerships“) soll im jeweiligen Herkunftsland eine pflegefachliche Ausbildung etabliert werden. Diese soll sowohl den Ausbildungsanforderungen des jeweiligen Herkunftslandes als auch den Ausbildungsanforderungen zur Pflegefachkraft in Deutschland entsprechen. Es sollen keine fertig ausgebildeten Pflegefachkräfte abgeworben werden.
Merz lobte bei seinem heutigen Besuch in der indischen Wirtschaftsmetropole Bangalore erneut die „sehr gut ausgebildeten" Fachkräfte und deren Arbeitsbereitschaft. Sie seien für deutsche Unternehmen in Indien und auch „aus Indien heraus“ eine „wichtige Ressource“.
Im Land nähmen aktuell rund 250.000 Menschen an Deutschkursen teil, sagte der Kanzler. Indien sei der Standort auf der Welt mit der zweithöchsten Zahl an Deutschkursen. In Bangalore würden mehr Visa für Deutschland ausgestellt als sonst wo auf der Welt, pro Jahr seien es 40.000.
„Viele junge Inderinnen und Inder werden nach Deutschland kommen und in Deutschland als willkommene Fachkräfte im IT-Bereich, aber auch im Gesundheitswesen und in vielen anderen Bereichen arbeiten“, sagte Merz. Sie zeigten eine „beeindruckende Arbeitsbereitschaft“, auf die sich Deutschland stützen könne.
Der Kanzler sagte, in Deutschland würden „Sprache und Kultur vermittelt“. Er glaube, das sei „eine Bereicherung für beide Seiten“. Indien wachse aktuell „in die Top-Liga unserer Wirtschaftspartner hinein“, fügte Merz hinzu. „Das Potenzial für die Zukunft ist groß. Die Dynamik ist enorm.“
Er werde daher unmittelbar nach seinem Besuch die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen darüber informieren und sie bitten, die Arbeiten für ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien zu beschleunigen.
Der Kanzler besuchte Bangalore am zweiten Tag seiner Indien-Reise. Die Millionenstadt ist ein wirtschaftliches Zentrum und ein wichtiger Standort der Luft- und Raumfahrtindustrie. Merz schaute sich einen Standort des Autozulieferers Bosch an, auch ein Forschungszentrum für Nanotechnologie stand auf dem Programm.
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