Politik

Familienminister wollen Kitas „behutsam“ öffnen

  • Mittwoch, 29. April 2020
/Oksana Kuzmina, stock.adobe.com
/Oksana Kuzmina, stock.adobe.com

Berlin – Die Familienminister von Bund und Ländern sprechen sich in der Coronakrise für einen „behutsamen“ Wiedereinstieg in die Kindertagesbetreuung in vier Phasen aus. Das teilte das Ministerium von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) gestern mit.

Die Empfehlung sei, „in den kommenden Wochen und Monaten aus bildungs- und ent­wick­lungspsychologischen Gründen“ einen Wiedereinstieg zu ermöglichen – ein konkre­tes Zieldatum für die Wiederaufnahme des Kitabetriebs wurde aber nicht genannt.

Die vier Phasen umfassen demnach die aktuelle Notbetreuung, eine erweitere Notbetreu­ung, einen eingeschränkten Regelbetrieb und die Rückkehr zum Normal­betrieb. Der Be­schluss soll in die morgigen Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Minis­terpräsidenten einfließen.

Weitreichende Entscheidungen werden bei dem Gespräch aber nicht erwartet, sondern erst in einer weiteren Runde am 6. Mai. Letztlich liegt die Entscheidung bei den einzel­nen Bundesländern und Kommunen.

Viele Eltern kleiner Kinder fühlen sich derzeit von der Politik alleine gelassen, weil zwar Geschäfte und Schulen nach und nach wieder öffnen, es aber bei Kitas und Kindergärten noch keine Perspektive über die Notbetreuung hinaus gibt. Notbetreut werden vor allem Kinder, deren Eltern dringend am Arbeitsplatz gebraucht werden, etwa im Gesundheits­wesen. Die Notbetreuung war zuletzt erweitert worden, in vielen Ländern zum Beispiel auf Alleinerziehende.

Die Minister schlagen zudem vor, die Öffnung von Spielplätzen zu überprüfen und die Er­laubnis „familiärer Betreuungsformen“ in Betracht zu ziehen, um Kindern soziale Kontak­te zu ermöglichen und ihre Eltern zu entlasten.

Giffey nannte den Beschluss ein „wichtiges und gutes Signal“ für Familien. „Die Familien erwarten nun zeitnah konkretere Aussagen darüber, wann die nächsten Schritte erfolgen können“, sagte sie.

Oberstes Ziel sei unverändert, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen und In­fektionsketten zu unterbrechen, um schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden und das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, hieß es in der Mitteilung.

„Dennoch müssen die Belange der Kinder, gerade der Kleinkinder, und die Bedarfe der Eltern stärker berücksichtigt werden.“ Die Minister seien sich einig, „dass die gegenwärti­gen Beschränkungen einen schweren Einschnitt für die Kinder darstellen.“

Konkret raten die Fachminister dazu, nach jedem Erweiterungsschritt zunächst mindes­tens zwei Wochen lang das Infektionsgeschehen zu beobachten, bevor ein weiterer Schritt gegangen wird. Die Öffnung sollte von „breit angelegten Studien“ begleitet wer­den, die nicht nur medizinische, sondern auch soziale Fragen in den Blick nehmen. Gif­feys Ministerium will das Robert-Koch-Institut und das Deutsche Jugendinstitut beauf­tragen.

Besondere Beachtung gilt demnach Kindern, deren Betreuung aus Kindeswohl-Grünen erforderlich ist, die einen besonderen Förderbedarf haben und Vorschulkinder. Weil die sonst empfohlenen Abstandsregeln in der Arbeit mit kleinen Kindern nicht umsetzbar sei­en, müsse dies „durch Hygienepläne sowie Reinigungs- und Desinfektionspläne“ so gut wie möglich ausgeglichen werden.

dpa

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung