Fehlende US-Hilfsgelder führen zu weltweiten Standortschließungen der HIV-/Aids-Versorgung

Rio de Janeiro – Mehr als 1.700 Standorte zur Versorgung von Menschen mit HIV/Aids haben im vergangenen Jahr aufgrund fehlender US-Hilfsgelder aus dem Programm PEPFAR (President's Emergency Plan for Aids Relief) geschlossen.
Das geht aus einer Umfrage unter 166 Organisationen hervor, die diese Gelder erhalten oder erhielten. Elise Lankiewicz von der Foundation for Aids-Research (amfAR) stellte die Ergebnisse auf dem diesjährigen internationalen Aids-Kongress vor (Abstract 12711).
Anfang 2025 hatte US-Präsident Donald Trump massive Kürzungen von US-Hilfsgeldern veranlasst. Auch europäische Länder, darunter Deutschland, haben im vergangenen Jahr Gelder für die Entwicklungszusammenarbeit gekürzt.
Insgesamt sind die staatlichen Hilfsgelder für die HIV- und Aids-Versorgung 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent gesunken, heißt es in einem neuen Report der Hilfsorganisation UNAIDS (Joint United Nations Programme on HIV/Aids) und der US-amerikanischen politischen Gesundheitsorganisation KFF. Während sich die Auszahlungen im Jahr 2024 noch auf 8,3 Milliarden US-Dollar beliefen, verringerten sie sich 2025 auf 6,2 Milliarden.
„Noch nie sind die Gebermittel so stark und so schnell zurückgegangen, und die Schwächsten der Gesellschaft zahlen bereits den Preis dafür", sagte die IAS-Präsidentin Beatriz Grinsztejn. Dieser starke Rückgang ist auf die fehlenden US-Hilfsgelder zurückzuführen, da die USA mit Abstand die größte Geberregion sind.
Wie sich das konkret auf die HIV-Versorgung auswirkt, hat ein US-amerikanisches Forschungsteam nun untersucht. Zwischen November 2025 und April 2026 führten sie eine Befragung bei knapp einem Viertel der PEPFAR-abhängigen Organisationen durch.
Der Umfrage zufolge haben fünf Organisationen dauerhaft geschlossen. Bei mehr als der Hälfte der befragten Organisationen wurde mindestens ein Fördervertrag gekündigt. 77 Prozent wurden zudem dazu aufgefordert, ihre Arbeit einzuschränken, um einer zusätzlichen US-Richtlinie nachzukommen. Dazu zählen Richtlinien zur Restriktion von DEI-Initiativen (Diversity, Equity, und Inclusion).
Restriktionen für die Versorgung von gefährdeten Gruppen
„Es gab die Anforderung Programme zu stoppen oder herunterzufahren, die sich gezielt an besonders gefährdete Gruppen richten“, sagte Lankiewicz. Dazu zählen etwa Sexarbeiterinnen und -arbeiter und Männer, die Sex mit Männern haben.
Um weiterhin Fördergelder zu erhalten, hätten viele Organisationen daher aufgehört, Leistungen für diese Gruppen anzubieten. „Die Programme, die überlebt haben, sind nicht unbedingt die Programme, die es vorher gab“, so Lankiewicz.
Zudem fehle es an bestimmten Mitteln für die HIV-Versorgung: Jede vierte bis fünfte Organisation gab an, dass sie keine Kondome, Laborbedarfe oder Arzneimittel wie die Präexpositionsprophylaxe oder antiretrovirale Medikamente beschaffen konnte.
Lankiewicz berichtete zudem von starken Einschränkungen bei der Community-Arbeit – einem wichtigen Teil der HIV-Versorgung. „Mehr als 80 Prozent der Partner, die zuvor diese Dienste anboten, berichteten von Unterbrechungen der Arbeit.“
Rund 77.000 weniger Kinder mithilfe der Finanzmittel versorgt
Eine weitere Forschungsgruppe analysierte, wie sich die geringeren PEPFAR-Gelder auf die HIV-Versorgung von Kindern auswirkt (Abstract 12679). Dafür verglichen sie öffentlich zugängliche Daten zu den PEPFAR-Programmen in 22 Ländern aus den Jahren 2024 und 2025.
Im vergangenen Jahr sind demnach weltweit rund 77.000 Kinder weniger als im Vorjahr in den Programmen behandelt worden – laut dem Forschungsteam ein Rückgang um 14,2 Prozent.
Besonders betroffen ist die HIV-Versorgung von Kindern in Südafrika: Etwa 31.000 Kinder weniger als im Vorjahr wurden mithilfe von PEPFAR-Geldern versorgt.
Bereits im vergangenen Jahr wurden auf dem IAS-Kongress einige kurzfristige Auswirkungen der fehlenden Hilfsgelder vorgestellt, sowie Berechnungen angestellt, inwieweit sich die Kürzungen auf die weltweite HIV- und Aids-Verbreitung auswirken könnten. Konkrete Daten sind nun verfügbar.
Inländische Mittel werden erhöht
„Diese Studien liefern überzeugende neue Belege dafür, dass die Unterbrechungen des PEPFAR-Programms negative, weitreichende Folgen hatten, insbesondere für die am stärksten gefährdeten Menschen“, sagte Kenneth Ngure, designierter Präsident der IAS und außerordentlicher Professor für Globale Gesundheit an der Jomo-Kenyatta-Universität für Landwirtschaft und Technologie in Juja, Kenia.
Gleichzeitig zeigt ein weiterer Report der UNAIDS, dass inländische Mittel zur HIV-Versorgung im Jahr 2025 um vier Prozent gestiegen sind. Damit werden knapp 60 Prozent der Finanzierung von den Ländern selbst getragen. 2026 haben sich zudem 55 Länder verpflichtet, ihre inländischen Finanzmittel zu steigern.
2025 hat es dem Bericht zufolge 1,2 Millionen neue HIV-Infektionen gegeben und 570.000 Aids-bedingte Todesfälle. Damit werden weltweit die Ziele der HIV- und Aids-Eindämmung verfehlt. Demnach sollen bis 2030 95 Prozent der Menschen, die mit HIV leben, ihren Status kennen, 95 Prozent eine antiretrovirale Therapie erhalten und 95 Prozent eine Virusunterdrückung erreichen (95-95-95).
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