Ärzteschaft

HIV und Aids: Kritik an Versorgungslücken

  • Mittwoch, 8. Juli 2026
/gamjai, stock.adobe.com
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Berlin – Während es in den vergangenen Jahren große wissenschaftliche Durchbrüche in Bezug auf HIV gab, hat sich die Versorgungslage der Betroffenen verschlechtert – sowohl international als auch hierzulande. Darauf wies ein Netzwerk mehrere Arbeitsgemeinschaften aus der HIV- und Aids-Versorgung gestern bei einer Konferenz in Berlin hin.

Teil des Konsortiums waren die Deutsche Arbeitsgemeinschaft ambulant tätiger Ärztinnen und Ärzte für Infektionskrankheiten und HIV-Medizin (dagnä), die Deutsche Aids-Gesellschaft (DAIG), die Deutsche Aidshilfe sowie die Deutsche AIDS-Stiftung.

Birgit Paniatowski von der International Aids Society (IAS) sprach von einer „Finanzierungskrise“. Hintergrund sind die Kürzungen der US-Regierung unter Donald Trump im Januar 2025. Dabei wurde unter anderem das Hilfsprogramm PEPFAR (President's Emergency Plan for AIDS Relief) eingefroren.

Einige europäische Länder, darunter auch Deutschland, haben die Mittel für internationale Entwicklungszusammenarbeit ebenfalls gekürzt. So hat Bundesregierung im Herbst 2025 zwar eine Milliarde Euro für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria zugesagt, damit ihre finanzielle Zusage im Vergleich zur vorherigen Finanzierungsrunde allerdings um etwa 23 Prozent vermindert.

„Die Folgen der Kürzungen und Einfrierungen waren unmittelbar: Menschen verloren Zugang zu Medikamenten, Gesundheitsarbeiterinnen und-Arbeiter wurden nicht bezahlt, Tests gingen zurück und Partnerorganisationen, insbesondere in der Zivilgesellschaft, mussten schließen“, so Paniatowski.

Weniger HIV-Tests, sinkende Prävention und Therapie

Eine Erhebung der Clinton Health Access Initiative und Unitaid in zehn Ländern in Subsahara Afrika und Asien zeigt, dass zwischen 2024 und 2025 42 Prozent weniger Menschen neu eine Präexpositionsprophylaxe (PrEP) begonnen haben. Zudem sind HIV-Testungen um zwölf Prozent zurückgegangen, neue HIV-Diagnosen sind um 28 Prozent gesunken und Tests zur Viruslast um 21 Prozent.

Einen geringen Anstieg um 0,6 Prozent hat es bei der Gesamtzahl der Erwachsenen gegeben, die mit einer Antiretroviralen Therapie (ART) versorgt wurden. Gleichzeitig erhielten allerdings bei den Kindern 11 % weniger eine solche Behandlung.

„Was wir auch sehen, ist eine Beschneidung der Rolle von Zivilgesellschaft und Communities in den Ländern“. Das läge nicht nur an der Finanzierung, sondern auch an einem konservativen Backlash, den man in vielen Ländern sehe.

Hürden in der HIV-Versorgung auch hierzulande

Auch hierzulande gibt es Schwierigkeiten bei der Versorgung von Menschen mit HIV, wie drei Ärztinnen und Ärzte aus HIV-Schwerpunktpraxen berichteten. Probleme lägen auch hierzulande unter anderem in der Stigmatisierung, einer hohen Hürde HIV-Tests durchzuführen sowie fehlender oder noch nicht vorhandener Krankenversicherungen.

Christoph Weber, Ärztlicher Leiter Checkpoint Berlin, plädierte für eine „Versicherung für Nichtversicherte“, die sich aus Beiträgen der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung zusammensetzt. „Momentan haben wir ein Parallelsystem“, so der Internist.

Clearingstellen zur Beratung von Personen ohne Krankenversicherung etwa würden ebenfalls sehr hohe Kosten verursachen. Finanziert werden diese teils direkt von Haushaltsmitteln der Landes- oder Stadtverwaltung.

Während es in Berlin nach Angaben des Ärzteverzeichnisses HIVandmore knapp 30 HIV-Schwerpunktpraxen gibt, sind solche Angebote im ländlichen Raum weitaus dünner gesät.

„In ganz Sachsen-Anhalt gibt es drei HIV-Schwerpunktpraxen, zwei davon in Magdeburg, eine in Halle“, sagte Sven Warminsky vom Zentrum für sexuelle Gesundheit der Aidshilfe Sachsen-Anhalt Nord. Dadurch lägen die Anfahrtszeiten mit dem Auto teils bei zwei Stunden.

Er berichtete zudem von zwei Fällen, in denen eine HIV-Erkrankung nicht diagnostiziert wurde und die Betroffenen nun mit AIDS auf der Intensivstation liegen. „Bei uns ist Aids tagtäglich da, wir haben nicht nur HIV.“ Er plädierte dafür, Menschen auch außerhalb ärztlicher Kontakte ins Versorgungssystem zu bringen und etwa Blutabnahmen und monatliche Visiten von anderen Fachkräften durchführen zu lassen.

mim

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