Flüchtlingsversorgung stellt Arztpraxen vor große Herausforderungen

Dortmund – Vor einer Überlastung von Haus- und Facharztpraxen durch viele zusätzliche Patienten im Rahmen der Flüchtlingswelle hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe gewarnt. „Wir sind für unsere Patienten da – egal, woher sie kommen“, sagte Gerhard Nordmann, zweiter Vorsitzender der KV. Allerdings trügen die niedergelassenen Haus- und Fachärzte, zu denen die Asylbewerber mit ihren gewöhnlichen Erkrankungen kämen, die Hauptlast der medizinischen Versorgung der Neuankömmlinge. „Wenn diese dauerhaft bleiben und wenn in den nächsten Monaten noch viele weitere Flüchtlinge hinzukommen, sind Probleme in der Regelversorgung nicht auszuschließen“, warnte der KV-Vize.
Die KV hat ausgewertet, wie sich der Flüchtlingszustrom auf die Behandlungszahlen auswirkt: Danach haben im vierten Quartal 2015 35.954 Asylbewerber wegen einer akuten Erkrankung eine westfälische Hausarztpraxis aufgesucht. In den Kinderarztpraxen wurden von Oktober bis Dezember 12.113 Flüchtlingskinder versorgt, in den Frauenarztpraxen 7.758 weibliche Flüchtlinge.
Die im vierten Quartal im Zuge der Flüchtlingsversorgung geleistete Mehrarbeit der westfälischen Hausärzte entspricht laut KV dem Behandlungsvolumen von 36 zusätzlichen Hausärzten.
Nordmann wies in diesem Zusammenhang daraufhin, dass im Augenblick 334,5 Hausarztsitze in Westfalen-Lippe nicht besetzt seien und ein Drittel der Hausärzte im Landesteil 60 Jahre oder älter sei.
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