Förderinitiative für forschende Fachärzte geht in zweite Runde

Berlin – Die Initiative des Bundes zur „Förderung von forschenden Fachärztinnen und Fachärzten in der Universitätsmedizin“ ist in ihre zweite Runde gestartet. Im Rahmen des Programms, das sich an sogenannte „Advanced Clinician Scientists (ACS)“ richtet, werden ab Februar dieses Jahres neun universitätsmedizinische Standorte für bis zu zehn Jahre gefördert.
Insgesamt stellt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) dafür bis zu 98,7 Millionen Euro bereit. Ziel ist, die klinische Forschung in Deutschland strukturell zu stärken.
„Damit neueste Erkenntnisse aus der Forschung möglichst schnell Eingang in die klinische Praxis finden, brauchen wir Medizinerinnen und Mediziner, die sowohl wissenschaftlich tätig sind als auch in der Klinik arbeiten", betonte Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU). In der Universitätsmedizin mangele es bislang oft an beruflicher Anerkennung für Forschungsleistungen und attraktiven Karriereperspektiven.
Perspektiven und Planungssicherheit bieten
„Genau hier setzt unsere Förderung an: Wir schaffen die allgemeinen Rahmenbedingungen, damit die medizinischen Fakultäten forschenden Medizinerinnen und Medizinern nach Abschluss ihrer Facharztweiterbildung, den so genannten Advanced Clinician Scientists, geschützte Forschungszeiten in einem attraktiven Forschungsumfeld anbieten können“, so Bär. „Unser Ziel ist es, den Spitzenkräften der forschenden Medizin von morgen neue Perspektiven und Planungssicherheit zu bieten.“
Bereits in der ersten Förderrunde im Jahr 2020 wurden acht Standorte mit bis zu 92,6 Millionen Euro über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren gefördert. Mit der nun gestarteten zweiten Runde summiert sich das Gesamtvolumen der Initiative auf nahezu 200 Millionen Euro.
Ausgewählt wurden in der zweiten Runde die Standorte Berlin, Gießen, Hannover, Heidelberg, Köln, Leipzig, Mainz, München und Tübingen. Konkret gefördert werden bis zu 100 ACS-Stellen, in der Regel zehn bis zwölf pro Standort. Durch die Anschubfinanzierung sollen sich dort nachhaltige Programme für Advanced Clinician Scientists etablieren.
Die Gewinnung und langfristige Bindung forschender Ärzte gilt weiterhin als große Herausforderung. Als Gründe nennt die Förderrichtlinie die schwierige Vereinbarkeit von Forschung und ärztlicher Tätigkeit sowie von Familie und Beruf. Mit der zweiten Förderrunde will das BMFTR nun gezielt Anreize setzen, ACS-Programme fest zu verankern.
Die geförderten Einrichtungen müssen bereits bei Antragstellung darlegen, wie sie die Programme langfristig in ihre Gesamtstrategie integrieren und auch nach Auslaufen der Bundesförderung fortführen wollen. Ein wesentliches Ziel ist erreicht, wenn etwa die Hälfte der geförderten Stellen dauerhaft erhalten bleibt und sich die Advanced Clinician Scientists in Positionen etablieren, die Forschung und Krankenversorgung gleichermaßen ermöglichen.
Gefördert wird die Implementierung innovativer Programme mit Modellcharakter. Zentrale Elemente sind in der Regel geschützte Forschungszeiten von 50 Prozent der Arbeitszeit, wissenschaftliche Unabhängigkeit, Mentoring-Programme, individuelle Qualifizierungscurricula sowie Monitoring- und Qualitätssicherungsmaßnahmen. Exzellente Advanced Clinician Scientists sollen sich wissenschaftlich profilieren und für Professuren oder gleichwertige leitende Positionen qualifizieren können.
Der wissenschaftlich-akademische Karriereweg der Advanced Clinician Scientists soll dabei als eigenständiger Weg zur Dauerprofessur etabliert werden – ergänzend zu bestehenden Qualifizierungswegen oder als alternative Perspektive ohne Übernahme einer Professur. Gleichzeitig sollen Chancengerechtigkeit, Diversität und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessert werden.
Die Auswahl der geförderten Ärzte erfolgt an den Standorten durch unabhängige, mit externen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern besetzte Kommissionen unter Einbeziehung internationaler Expertise. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Facharztweiterbildung sowie ausgewiesene Forschungserfahrung, etwa durch eingeworbene Drittmittel, Publikationen oder wissenschaftliche Vernetzung.
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