Forschungsprojekt soll Versorgungslücken bei ADHS schließen

Marburg – Ein neues Forschungsprojekt der Philipps-Universität Marburg mit dem Titel „Geschlechterspezifische Ansätze bei der Erkennung und Versorgung von Patientinnen mit ADHS“ („GAP-ADHS“) will Versorgungslücken bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) schließen.
Hintergrund ist, dass Mädchen, Frauen sowie trans- und geschlechterdiverse (TGD) Personen im Unterschied zu Männern oft später eine ADHS-Diagnose erhalten oder laut dem Forschungsteam auf besondere Hürden in der Versorgung stoßen – obwohl es Hinweise auf eine vergleichbare oder sogar höhere Prävalenz gebe.
Ziel von GAP-ADHS ist daher, geschlechtsspezifische Unterschiede in Diagnose und Behandlung systematisch zu erfassen und Handlungsempfehlungen für Praxis und Ausbildung zu entwickeln.
Das Projekt wird mit rund 1,3 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert. Zu den Partnern zählen das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI), mehrere Universitäten, Krankenkassen und Patientenorganisationen.
„ADHS ist ein Thema, das nach wie vor mit vielen Unsicherheiten und Vorurteilen verbunden ist. Umso wichtiger ist es, dass fundierte Forschung Orientierung bietet, Betroffene ernst nimmt und bestehende Wissenslücken schließt“, sagte Gert Bange, Vizepräsident der Universität.
Das Projekt verknüpft qualitative Interviews mit Betroffenen, Eltern und Fachkräften mit der Analyse von Routinedaten einer Krankenkasse. Ziel ist es, typische Versorgungsverläufe zu identifizieren und geschlechtsspezifische Muster sichtbar zu machen.
In der Folge möchte das Forschungsteam unter anderem eine Checkliste für geschlechtersensible Diagnostik, Weiterbildungsangebote und eine geplante Informationsplattform für Fachkräfte und Patienten entwickeln.
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