Ärzteschaft

Forschungsstation Neumayer III: Von Hannover in die Antarktis

  • Montag, 3. August 2026
Der Stationsleiter von Neumayer III in der Antarktis, Ingo Gerstmann, ist auch für die Instandhaltung der Bibliothek im Eis zuständig. Die Bibliothek befindet sich in einem grünen Container in der Nähe der Station. /picture alliance, Ingo Gerstmann
Der Stationsleiter von Neumayer III in der Antarktis, Ingo Gerstmann, ist auch für die Instandhaltung der Bibliothek im Eis zuständig. Die Bibliothek befindet sich in einem grünen Container in der Nähe der Station. /picture alliance, Ingo Gerstmann
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Bremerhaven – Auf der Forschungsstation Neumayer III in der Antarktis gehen gerade die letzten frischen Lebensmittel zur Neige. Schnell verderbliches Obst und Gemüse wie Salat und Tomaten stehen schon lange nicht mehr auf dem Speiseplan – der letzte Flug mit frischer Ware kam im Februar an.

„Die allerletzte Orange haben wir gerade gefeiert“, sagt Stationsleiter Ingo Gerstmann. Die Frucht sei unter den acht Mitgliedern des 46. Überwinterungsteams der Station aufgeteilt worden, die vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) betrieben wird.

Zusammen mit seinen sieben Kolleginnen und Kollegen kam der Hannoveraner Arzt Ingo Gerstmann im November 2025 mit dem Flugzeug im südlichsten Teil der Erde an, um das vorherige Überwinterungsteam abzulösen. Sein Team bleibt insgesamt 13 Monate, erst kurz vor Weihnachten geht es wieder in die Heimat.

Hitze hier – zweistellige Minusgrade dort

Sowohl das Wegkommen als auch ein Erreichen der Station ist zurzeit unmöglich – im Winter kann kein Flugzeug landen, kein Schiff festmachen. Seit zwei Monaten herrscht Polarnacht, die Sonne ließ sich am 23. Juli erstmals wieder für kurze Zeit über dem Horizont blicken. So wie die letzte Orange, wurde auch das zelebriert: „Wir haben darauf angestoßen“, berichtet der Mediziner.

Weil kaum Wind vorhanden sei, seien die Wetterbedingungen bei minus 18 Grad zurzeit angenehm. Den Sommer in der Heimat vermisst Gerstmann nicht. Während der Hitzewelle war der 49-Jährige sogar froh, nicht dort zu sein.

Im normalen Leben ist Gerstmann Chirurg und Oberarzt am Klinikum Neustadt am Rübenberge bei Hannover, mit seiner Familie lebt er in der Landeshauptstadt. Jahr für Jahr sah er die Stellenausschreibungen des AWI für die Neumayer-Station III. Das Abenteuer reizte ihn schon lange.

Nachdem er das Buch „Polarschimmer“ las, in dem die Ärztin Aurelia Hölzer ihre Erfahrungen als Stationsleiterin in der Antarktis beschreibt, fasste er sich ein Herz: „Ich habe meine Familie gefragt, was sie davon halten würde, wenn ich gehe.“ Seine Frau und seine beiden Töchter waren mit der Teilnahme einverstanden. Dank der guten Internetverbindung hat er regelmäßigen Kontakt mit ihnen.

Bibliothekscontainer als Rückzugsort

Eine Rückzugsmöglichkeit vor Ort bietet übrigens die „Bibliothek im Eis“, die der Künstler Lutz Fritsch vor mehr als 20 Jahren in einem Container 200 Meter von der Station eingerichtet hat.

Angestrichen ist der Bibliothekscontainer in Grün. Das ist kein Zufall. Denn die Farbe gibt es in der Antarktis nicht. „Somit erschien Grün mir als die Sehnsuchtsfarbe der Überwinterer“, wird Lutz Fritsch vom AWI zitiert. Das kann Ingo Gerstmann bestätigen.

Während des heimatlichen Frühlings hat er das sprießende Grün der Pflanzen vermisst. Und auch wenn er die Kochkünste aus den verbliebenen Vorräten von Koch Richard Pozgaj über alles schätzt: Der Hannoveraner würde gerne mal wieder einen grünen Salat, frische Tomaten oder Erdbeeren essen.

dpa

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