Fortschritte bei der MS-Therapie bekannter machen
Frankfurt – Mehr Aufklärung über die Multiple Sklerose (MS) fordert die Gemeinnützige Hertie-Stiftung. Die großen Fortschritte bei der Therapie der Erkrankung ermöglichten heute vielen Patienten ein Leben in Normalität. Dies sei aber in der Bevölkerung und auch bei vielen Arbeitgebern nicht bekannt. „Es kursieren eine Menge Vorurteile in der Bevölkerung, die für die Betroffenen schlimme Konsequenzen haben können, beispielsweise den Verlust des Arbeitsplatzes. Diese Vorurteile gilt es auszuräumen“, sagte Eva Koch, Leiterin des Bereichs MS bei der Hertie-Stiftung.
Zu den Vorurteilen gehöre, dass MS-Erkrankte aufgrund der in unregelmäßigen Abständen auftretenden Schübe kein geregeltes Leben führen könnten. „Es gibt heute eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass wir den meisten MS-Patienten ein Leben in Normalität in Aussicht stellen können“, sagte Heinz Wiendl, Direktor für Neurologie am Uniklinikum Münster. MS sei zwar unberechenbar und ihr Verlauf sehr heterogen, „aber wir sind inzwischen so weit, dass die schlimmen Verläufe sehr selten geworden sind. Die Krankheit MS lässt sich inzwischen immer besser kontrollieren“, so Wiendl.
„Es gibt enorme Fortschritte bei den innovativen Immuntherapien der MS. Ein großes Problem sind aber die für die Patienten sehr belastenden Begleitsymptome der Krankheit. Hier fehlen Versorgungskonzepte und -strukturen, um die Patienten angemessen zu behandeln“, sagte der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Neurologen (BDN), Uwe Meier. Beispiele dafür seien Symptome wie Konzentrationsstörungen, Fatigue oder Blasenstörungen. „Wir brauchen für die Betreuung dieser Patienten vor allem Zeit, um sie angemessen zu beraten und zu begleiten.
Wichtig sind außerdem neue Leistungsangebote wie spezielle Schulungen und symptombezogene Kurzzeittherapien“, so Meier. Dies sei in der Regelversorgung im Augenblick nicht vorgesehen. „Deshalb benötigen wir neue Versorgungsverträge in der integrierten Versorgung oder im Rahmen des zusammen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung erarbeiteten neuropsychiatrischen Versorgungskonzeptes“, so der BDN-Vorsitzende.
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