Frauen mit wiederholten Spontanaborten: Leitlinie aktualisiert

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) hat ihre S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie von Frauen mit wiederholten Spontanaborten“ aktualisiert. Sie richten sich vor allem an Gynäkologen sowie an weitere Fachdisziplinen, die Frauen und Paare mit wiederholten Fehlgeburten betreuen.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO liegen wiederholte Spontanaborte (WSA) bei drei oder mehr aufeinanderfolgenden Fehlgeburten vor. Der Leitlinie zufolge kann eine umfassendere Abklärung aber bereits nach zwei Fehlgeburten sinnvoll sein. Ob eine weiterführende Diagnostik angezeigt ist, sollte individuell entschieden werden.
Die Ursachen wiederholter Spontanaborte können sehr unterschiedlich sein. Die Leitlinie berücksichtigt unter anderem genetische und anatomische Faktoren, endokrinologische Erkrankungen, das Antiphospholipid-Syndrom, Lebensstilfaktoren und psychische Belastungen. Besonderes Augenmerk liegt in der aktualisierten Fassung auf männlichen Faktoren.
Damit unterstreicht das Leitlinienteam nach eigenen Angaben, dass wiederholte Fehlgeburten nicht ausschließlich als Problem der Frau betrachtet werden sollten. Auch beim Mann könnten Faktoren wie bestimmte Veränderungen der Samenqualität oder der Spermien-DNA für die individuelle Abklärung relevant sein.
Bei wiederholten Spontanaborten kommt auch der genetischen Untersuchung des Abortmaterials eine wichtige Bedeutung zu. Liegen keine entsprechenden Befunde vorangegangener Fehlgeburten vor, soll eine zytogenetische Untersuchung erfolgen. Die Ergebnisse können dabei helfen, die weitere Diagnostik gezielter zu planen – etwa wenn eine Chromosomenveränderung festgestellt wird.
Neben der körperlichen Diagnostik stellt die Leitlinie die psychische Situation der betroffenen Frauen und Paare in den Mittelpunkt. Wiederholte Fehlgeburten können mit erheblichen Ängsten und psychischen Belastungen einhergehen. „Eine gute Versorgung sollte diese Belastungen ernst nehmen und bei Bedarf psychosomatische oder psychotherapeutische Unterstützung einbeziehen“, hieß es aus der Arbeitsgruppe.
Die Betreuung von Paaren mit wiederholten Spontanaborten erfordert häufig eine interdisziplinäre Zusammenarbeit. Neben der Gynäkologie und Reproduktionsmedizin können laut der Leitlinie unter anderem Disziplinen wie die Humangenetik, Urologie und Andrologie, Endokrinologie, Innere Medizin, Dermatologie, Sexualmedizin und Psychosomatik beteiligt sein.
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