Fundusfotografie kann Screening auf diabetische Retinopathie erleichtern

Köln – Die Fundusfotografie ist ein geeignetes Verfahren für das Screening von Netzhautschäden als Folgeerkrankung von Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2. Zu diesem Fazit kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einem Abschlussbericht zu dem Verfahren.
Eine Arbeitsgruppe des Instituts hatte die Vor- oder Nachteile der Fundusfotografie im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) untersucht. Dabei ging es um Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2, bei denen keine bekannte abklärungs- oder behandlungsbedürftige diabetische Retinopathie vorliegt.
Die Fundusfotografie sollte als vorgeschaltetes Screeninginstrument dienen. Verglichen wurde die diagnostische Güte der Fundusfotografie einerseits und der binokularen Untersuchung des Augenhintergrundes nach Erweiterung der Pupille durch Augentropfen andererseits – also einer Ophthalmoskopie.
Bei der Fundusfotografie werden für jedes Auge eine oder mehrere fotografische Aufnahmen des Fundus erstellt. Aus ihnen lässt sich ermitteln, ob der oder die Betreffende eine diabetische Retinopathie entwickelt hat beziehungsweise wie weit fortgeschritten sie bereits ist.
Es zeigte sich, dass das jährliche Screening mit vorgeschalteter Fundusfotografie zwar keinen höheren Nutzen als das herkömmliche Verfahren aufweist, aber zumindest einen vergleichbaren Nutzen. Laut dem Bericht ist eine weitere augenärztliche Abklärung verzichtbar, wenn die Netzhaut in der Fundusfotografie normal aussieht.
Für die Versorgung hat dies laut dem Abschlussbericht große organisatorische Vorteile: Die Fundusfotografie kann mit einer zeitlich versetzten Beurteilung verknüpft und dezentral eingesetzt werden – und sie ist einfacher durchführbar.
„Das ist eine gute Nachricht für Menschen mit Diabetes: Die Untersuchung der Augen lässt sich deutlich einfacher durchführen – vor allem, weil das für viele Menschen lästige Weittropfen regelhaft entfällt. Ich hoffe, dass daher zukünftig mehr Betroffene eine Früherkennungsuntersuchung wahrnehmen“, sagte Moritz Ernst, Projektleiter im Ressort nichtmedikamentöse Verfahren beim IQWiG.
In Gebieten mit einer dünnen fachärztlichen Versorgung könnte die Untersuchung laut IQWiG auch in hausärztlichen Praxen erfolgen – die Befundung könnte dann gegebenenfalls telemedizinisch erfolgen. „Vollständig ersetzen kann die Fundusfotografie die Ophthalmoskopie aber bislang nicht. Denn zu dieser Frage lagen keine entsprechenden Studien vor“, hieß es aus dem IQWiG.
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