Ärzteschaft

Fünf-Punkte-Plan zur Versorgung von ME/CFS-Betroffenen mit Diabetes

  • Dienstag, 5. Mai 2026
/brizmaker, stock.adobe.com
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Berlin – In Deutschland leiden nach Schätzungen rund 650.000 Menschen unter einem Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS). Die ohnehin schwierige Versorgung wird nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und dem Verband der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) noch komplexer, wenn die Betreffenden zusätzlich unter Diabetes leiden.

„ME/CFS betrifft nicht nur das Immunsystem, sondern auch das Nervensystem, die Gefäßregulation, und den Energiestoffwechsel“, sagte Carmen Scheibenbogen, stellvertretende Leiterin des Instituts für Medizinische Immunologie und Leiterin des Arbeitsbereichs Immundefekte und Postinfektiöse Erkrankungen an der Charité Universitätsmedizin Berlin.

Würden ME/CFS und Diabetes gemeinsam auftreten, könnten sich Symptome und Therapie gegenseitig beeinflussen. „Störungen des autonomen Nervensystems bei ME/CFS können dazu führen, dass Blutzuckerabfälle und -schwankungen schlechter wahrgenommen oder mit Kreislaufproblemen verwechselt werden“, warnt die Expertin.

Gleichzeitig könnten Unterzuckerungen oder mit Diabetes assoziierte chronische, niedrig-gradige Entzündungen zu einer vermehrten Erschöpfung bei den Patientinnen und Patienten führen und ME/CFS-Symptome verstärken.  Klassische Empfehlungen bei Typ-2-Diabetes – etwa regelmäßige Bewegung – sind bei ME/CFS häufig nur sehr eingeschränkt umsetzbar.

„Wir müssen die Realität der Betroffenen ernst nehmen“, erläuterte Kathrin Boehm, Diabetesberaterin aus Bad Mergentheim und Vorsitzende des VDBD. „Viele können ihren Alltag nur sehr eingeschränkt bewältigen. Standardprogramme überfordern sie“, so Boehm.

Die beiden Organisationen haben fünf Behandlungsgrundsätze für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit beiden Erkrankungen zusammengestellt. Wichtig ist danach zunächst, die Erkrankungen ganzheitlich zu verstehen und die Wechselwirkungen zwischen ME/CFS und Diabetes einzubeziehen.

Zweitens seien starre Bewegungs- oder Therapiepläne kontraproduktiv. Belastung und Maßnahmen sollten sich an der täglichen Belastbarkeit orientieren. Wichtig seien einfache Behandlungspläne, klare Routinen und eine alltagstaugliche Ernährung, die an kognitive Einschränkungen („Brain Fog“) angepasst sei.

Die Gesellschaften weisen außerdem daraufhin, dass bei einer Kombination der Erkrankungen das Risiko für Blutzuckerschwankungen und unbemerkte Unterzuckerungen erhöht sein kann. Die Blutglucose sollte daher engmaschig überwacht werden. 

Insgesamt sollte die Hypoglykämie-Prävention im Vordergrund stehen. Ein Leitgedanke der gesamten Versorgung sollte sein, Überforderung zu vermeiden. „Wir brauchen mehr Wissen, mehr Forschung und vor allem mehr Aufmerksamkeit für diese Patientengruppe“, betonte DDG-Präsidentin Julia Szendrödi.

hil

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