G-BA-Vorsitzender Hecken in der Kritik
Hamburg – Scharfe Kritik für seine Äußerungen zum Gesundheitswesen allgemein und zur angeblichen doppelten Facharztschiene im Besonderen hat der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Josef Hecken, geerntet.
Bei seiner Rede zur Verleihung des „Innovationspreises Gesundheit 2015“ der Betriebskrankenkassen (BKK) – der aber trotz seines Titels erst vor wenigen Tagen verliehen wurde – sagte Hecken, das Gesundheitssystem sei innovationsfeindlich und würde den Fortschritt „viel zu schleppend“ umsetzen. Der G-BA-Vorsitzende kritisierte auch die Versorgungsstrukturen und prangerte eine angebliche doppelte Facharztschiene an.
Kritik von KV und SpiFa
Bei der Ärzteschaft stießen die Aussagen auf Kritik. „Wer so etwas sagt, hat noch nie an der Front der Versorgung gearbeitet“, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH), Walter Plassmann. „Wie häufig muss eigentlich noch nachgewiesen werden, dass die ambulant tätigen Fachärzte eine komplett andere Versorgungsleistung erbringen als die Klinikärzte und diese dies niemals sicherstellen könnten?“, fragte der KV-Chef an die Adresse von Hecken gewandt. Gerade die breite niedergelassene Fachärzteschaft sei der Grund für die guten Noten des deutschen Gesundheitswesens, so Plassmann.
Ähnlich äußerte sich der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa). „Es ist allgemein bekannt, dass die Fachärzte in der ambulanten Versorgung andere Felder bedienen als ihre Kollegen in den Kliniken“, hieß es aus dem Verband. Zu fordern sei vielmehr, die beiden Sektoren vernünftig miteinander zu verzahnen und die Sektorengrenzen durchlässiger zu machen, um so innovative Versorgungsformen überhaupt zuzulassen, so der SpiFa.
Kritik erntete auch Heckens These von der Innovationsfeindlichkeit des Gesundheitswesens. Die im internationalen Vergleich enorm hohe Qualität der ambulanten medizinischen Versorgung in Deutschland sei nur möglich, weil sie auf stabilen Strukturen beruhe, sagte Plassmann. „Wer aber jede Woche eine andere ‚Innovations-Sau‘ durchs Dorf treiben will, gefährdet genau diese Basis – und damit die Versorgung allgemein“, warnte der KV-Chef.
Der BKK-Innovationspreis richtet sich an Studierende und Absolventen aller Universitäten und (Fach-)Hochschulen in Deutschland. Hecken hatte die Schirmherrschaft des Innovationspreises 2015 übernommen.
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