Ärzteschaft

G-BA-Vorsitzender Hecken in der Kritik

  • Donnerstag, 7. Juli 2016

Hamburg – Scharfe Kritik für seine Äußerungen zum Gesundheitswesen allgemein und zur angeblichen doppelten Facharztschiene im Besonderen hat der Vorsitzende des Ge­mein­samen Bundesausschusses (G-BA), Josef Hecken, geerntet.

Bei seiner Rede zur Verleihung des „Innovationspreises Gesundheit 2015“ der Betriebs­krankenkassen (BKK) – der aber trotz seines Titels erst vor wenigen Tagen verliehen wur­de – sagte Hecken, das Gesundheitssystem sei innovationsfeindlich und würde den Fortschritt „viel zu schleppend“ umsetzen. Der G-BA-Vorsitzende kritisierte auch die Ver­sorgungsstrukturen und prangerte eine angebliche doppelte Facharztschiene an.

Kritik von KV und SpiFa
Bei der Ärzteschaft stießen die Aussagen auf Kritik. „Wer so etwas sagt, hat noch nie an der Front der Versorgung gearbeitet“, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Ver­einigung Hamburg (KVH), Walter Plassmann. „Wie häufig muss eigentlich noch nachge­wiesen werden, dass die ambulant tätigen Fachärzte eine komplett andere Versorgungs­leistung erbringen als die Klinikärzte und diese dies niemals sicherstellen könnten?“, fragte der KV-Chef an die Adresse von Hecken gewandt. Gerade die breite niedergelas­sene Fachärzteschaft sei der Grund für die guten Noten des deutschen Gesundheitswe­sens, so Plassmann.

Ähnlich äußerte sich der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa). „Es ist all­ge­mein bekannt, dass die Fachärzte in der ambulanten Versorgung andere Felder be­die­nen als ihre Kollegen in den Kliniken“, hieß es aus dem Verband. Zu fordern sei viel­mehr, die beiden Sektoren vernünftig miteinander zu verzahnen und die Sektoren­­gren­zen durch­lässiger zu machen, um so innovative Versorgungsformen überhaupt zuzulas­sen, so der SpiFa.

Kritik erntete auch Heckens These von der Innovationsfeindlichkeit des Gesundheitswe­sens. Die im internationalen Vergleich enorm hohe Qualität der ambulanten medizi­nischen Versorgung in Deutschland sei nur möglich, weil sie auf stabilen Strukturen be­ru­he, sagte Plassmann. „Wer aber jede Woche eine andere ‚Innovations-Sau‘ durchs Dorf trei­ben will, gefährdet genau diese Basis – und damit die Versorgung allgemein“, warnte der KV-Chef.

Der BKK-Innovationspreis richtet sich an Studierende und Absolventen aller Universitä­ten und (Fach-)Hochschulen in Deutschland. Hecken hatte die Schirmherrschaft des Innovationspreises 2015 übernommen.

hil

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