Politik

Gegen Bundestrend: Zahl der Grippefälle in Mecklenburg-Vor­pommern steigt

  • Donnerstag, 23. Februar 2017
Uploaded: 05.03.2015 18:30:57 by mis
/dpa

Rostock – Die Zahl der Grippefälle in Mecklenburg-Vorpommern steigt gegen den Bun­des­trend weiter an. In der vergangenen Woche wurden landesweit 488 neue Grippefälle gemeldet, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) heute mitteilte. In der Vorwoche waren es demnach 407 gewesen. Seit Beginn der Grippewelle im Oktober des vergangenen Jahres seien insgesamt 2.272 Influenzafälle registriert worden, in der Vor­sai­son waren es zum gleichen Zeitpunkt 551. Bislang seien in Mecklenburg-Vorpommern fünf Menschen, die allesamt Risikogruppen angehört hätten, an der Grippe gestorben.

Dagegen scheint bundesweit die schlimmste Phase der Grippesaison überstanden zu sein. In der vergangenen Woche waren rund 14.900 Influenzafälle bestätigt worden, nach mehr als 17.000 in der Woche davor. Wie eine Sprecherin des Robert-Koch-Insti­tuts in Berlin sagte, hat die Grippewelle Mecklenburg-Vorpommern vergleichsweise spät erreicht. Deshalb dauere es auch länger, bis die Welle wieder abklingt.

Der Chef der Abteilung Pneumologie an der Unimedizin Rostock, Johann Christian Vir­chow, vermutet, dass die gegenläufigen Entwicklungen auch in den großen Distanzen im dünn besiedelten Flächenland Mecklenburg-Vorpommern begründet sind. Die Über­tra­gungs­geschwindigkeit innerhalb der Landbevölkerung sei geringer als in großen Städten. Ein weiterer Faktor könnte sein, dass die niedergelassenen Ärzte im Nordosten wesentlich sensibilisierter sind als zu Beginn der Grippewelle und entsprechende Unter­suchungen und Diagnostiken einleiten, sagte Virchow.

Als Lungenfacharzt habe er häufig mit Patienten zu tun, die mit anderen Grundkrank­hei­ten belastet sind. „Die unangenehmste Form davon ist die raucherbedingte chronisch ob­struktive Bronchitis“ (COPD), sagte Virchow. „Wenn ein Gesunder von der Grippe er­wischt wird, dann wird der halt ordentlich krank.“ Wenn COPD-Kranke betroffen sind, würden sie sehr schwer krank und könnten daran sterben.

Auch wenn der aktuelle Impfstoff nicht der „allerwirksamste“ sei, widersprach Virchow der Einschätzung, dass eine Impfung unnötig sei. „Die Geimpften haben wesentlich weniger Be­schwerden als die Ungeimpften, wenn sie trotzdem Grippe bekommen.“ Er sagte, dass noch viel zu wenig Menschen gegen Grippe geimpft seien. Dies gelte auch für Beschäf­tig­te im Gesundheitswesen.

dpa

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