Geschlechterspezifische Datenlücke hat große wirtschaftliche Auswirkungen

Berlin – Wenn man sich um die Frauengesundheit und vor allem um die Schließung geschlechterspezifischer Datenlücken (Gender Data Gap) bemüht, zahlt sich das nicht nur für die Gesellschaft, sondern auch wirtschaftlich aus. Dies erklärte Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) diese Woche im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) in Berlin.
Eine Studie des World Economic Forum hätte gezeigt, dass die Schließung des sogenannten „Gender Health Gap“ rund eine Billion Dollar pro Jahr für die Weltwirtschaft bringen könnte, sagte Bär. „Frauengesundheit ist ein Motor für unsere Forschung, aber auch für unsere Volkswirtschaft, und sie ist zentral für die Gesundheit von Millionen.“
Die Bundesforschungsministerin hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, den Ausbau der Frauengesundheit und geschlechtersensiblen Medizin in Deutschland in dieser Legislaturperiode voranzutreiben und entsprechende wissenschaftliche Projekte mit den zur Verfügung stehenden Mitteln finanziell zu fördern.
Die Gelder sollen unter anderem in Forschungsprojekte zur gendersensiblen Medizin, Schließung des Gender Data Gap, Endometriose, Wechseljahre, reproduktiven Gesundheit und Verhütungsmethoden fließen. Insgesamt steht ein finanzieller Rahmen von rund 90 Millionen Euro zur Verfügung.
„Das Ziel von mir und von meinem Haus ist es, die medizinischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern klar zu benennen und die Forschung voranzutreiben“, betonte Bär. Frauen seien noch oft ein blinder Fleck in der Medizin, bei zu vielen Erkrankungen fehlten geschlechtsspezifische Forschungsdaten.
„Weil die Daten fehlen, haben wir oft keine wissenschaftliche Grundlage für eine geschlechtersensible Behandlung und wo Daten fehlen, bleibt eben auch der wissenschaftliche Fortschritt aus“, verdeutlichte die Ministerin. Eine gute evidenzbasierte Datengrundlage sei zudem wichtig, um gegen Vorurteile und Nichtwissen im Bereich der Frauengesundheit anzukämpfen. Dies sei ihr ein großes Anliegen, erklärte Bär.
Mit einer ersten Förderrichtlinie werden in diesem Bereich bereits 43 Projekte gefördert. Die Ministerin kündigte an, dass eine weitere Förderung zur Reduzierung von geschlechtsspezifischen Datenlücken in den Startlöchern stehe.
Im Referat für Frauengesundheit im BMFTR, das im November des vergangenen Jahres gegründet wurde, sollen die Forschungsaktivitäten gezielt gebündelt, abgestimmt und schließlich auf den Weg gebracht werden.
Ein Schwerpunkt ist die Frauengesundheit nach Aussage der Ministerin auch im diesjährigen Wissenschaftsjahr. Die gemeinsame Initiative von BMFTR und Wissenschaft im Dialog fördert den Austausch mit der Öffentlichkeit zu Wissenschafts- und Forschungsthemen seit 26 Jahren.
In diesem Jahr werden sich Bürgerinnen und Bürger etwa darüber informieren können, warum das Sterberisiko bei einem Herzinfarkt für Frauen höher ist, warum weiblicher Schmerz schlechter erforscht und behandelt wird und welche neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse es im Bereich der Wechseljahre gibt. Möglich sein wird dies beispielsweise auf der MS Wissenschaft und in der HealthXP, einer interaktiven, niedrigschwelligen und mobilen Ausstellung, die ab Juni bundesweit Station macht.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: