Bundespreis für Geschlechterforschung angekündigt

Berlin – Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) hat heute einen wissenschaftlichen Bundespreis für Geschlechterforschung angekündigt. Geplant ist eine Auszeichnung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für herausragende Leistungen im Forschungsfeld der Geschlechterforschung. Ausgerufen werden soll der Preis noch in diesem Jahr.
„Wir wollen, dass die Wertschätzung und die Bekanntheit der Geschlechterforschung nochmal zunehmen“, sagte Bär im Rahmen einer Veranstaltung des Max Delbrück Centers in Berlin anlässlich des bevorstehenden Weltfrauentages am 8. März.
Die Forschungsministerin machte darauf aufmerksam, dass es mit Blick auf die Frauengesundheit und eine geschlechtersensible Versorgung aller Menschen noch einiges zu tun gebe.
„Der Mann war einfach viel zu lange der Maßstab in der Medizin“, sagte sie. Dies gelte etwa in Hinblick auf die Beschreibung von Symptomen oder die Erprobung von Arzneimitteln. Es fehle noch immer an Daten und Wissen, wie sich dies bei Frauen verhalte.
Deshalb habe man im Bundesforschungsministerium kürzlich auch ein eigenes Referat für Frauengesundheit geschaffen und stelle zur weiteren Erforschung der geschlechtersensiblen Medizin in dieser Legislaturperiode 90 Millionen Euro zur Verfügung.
Um den Forschungsstandort Deutschland attraktiv zu halten und die Innovations- und Zukunftsfähigkeit zu fördern, brauche es außerdem ein Wissenschaftssystem, in dem die Gleichstellung der Geschlechter stark sei, mahnte Bär. Denn der Anteil der Forscherinnen sei hierzulande noch immer verhältnismäßig gering.
Bemerkbar mache sich dies beispielsweise bei den Professuren, die in Deutschland nur zu einem Drittel weiblich besetzt seien. „Das ist zu wenig“, betonte die Ministerin. Erklärtes Ziel sein ein Verhältnis von fünfzig zu fünfzig.
Im Professorinnenprogramm 2030 werde mit den Ländern bereits gezielt die Gleichstellung an den Hochschulen gefördert. In diesem Zuge habe man laut Bär bereits mehr als eintausend Stellen für Professorinnen fördern können.
Maike Sander, wissenschaftliche Vorständin des Max Delbrück Centers, konnte den Eindruck eines geringen Frauenanteils in der Forschung bestätigen. Zwar seien am Max Delbrück Center verhältnismäßig viele Positionen weiblich besetzt, was auch intensiv gefördert werde, allerdings gingen bei jedem Karriereschritt weibliche Talente „verloren“.
Unter den Doktoranden seien derzeit 59 Prozent Frauen, bei den Post Docs 45 Prozent und bei den Senior Professorinnen nur noch 30 Prozent. „Wir brauchen eine Wissenschaftskultur, in der Vielfalt wirklich selbstverständlich ist“, betonte Sander. In der junge Wissenschaftlerinnen Vorbilder sähen und merkten, dass eine Karriere in der Forschung Spaß machen könne und trotzdem Raum für Individualität und ein erfülltes Leben neben dem Beruf lasse.
„Wir können es uns nicht leisten, auf die Hälfte der klügsten Köpfe zu verzichten, wenn wir die großen Trends und die großen Themen unserer Zeit erfolgreich angehen wollen – ob in der Digitalisierung, in der Weltraumforschung, bei unseren Schlüsseltechnologien und vor allem auch in der Medizin“, betonte die Bundesforschungsministerin abschließend.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit:
1