Gesundheitsministerium kündigt weitere Gesetzesvorhaben an

Berlin – Der Abteilungsleiter Gesundheitsversorgung im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Joachim Becker, hat für den Beginn des kommenden Jahres verschiedene neue Gesetzesvorhaben angekündigt.
„Im Bereich der sektorenübergreifenden Versorgung arbeiten wir derzeit an einem ersten Gesetzentwurf, den wir Anfang 2020 in die öffentliche Diskussion geben werden“, sagte Becker heute auf dem Fachtag „Praxis-Check Krankenhauspolitik“ des Katholischen Krankenhausverbands Deutschlands (kkvd) in Berlin. In diesem Bereich gebe es schon Vorarbeiten der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur sektorenübergreifenden Versorgung.
Die Frage sei bei diesem Thema, welche ambulanten Aufgaben die Krankenhäuser künftig in strukturschwachen Regionen übernehmen würden. Zu klären sei zudem, welche ambulanten Behandlungen definiert würden, die sowohl von Vertragsärzten als auch ambulant von Krankenhäusern erbracht werden könnten.
BMG will sich um Kinderkliniken kümmern
Zudem werde im Januar eine zweite Fassung des Gesetzentwurfs zur Reform der Notfallversorgung veröffentlicht werden, kündigte Becker an. Dabei werde es nicht nur Gewinner und Verlierer geben, sondern „einen Mix aus verschiedenen Effekten“. Becker erklärte: „Wir werden da Kompromisse machen müssen, die den einen oder anderen nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen werden.“
Auch über das Thema Qualität in den Krankenhäusern werde im BMG diskutiert. Dabei gehe es auch um das Thema Mindestmengen. „Dazu wollen wir im Frühjahr konkrete Vorschläge auf den Tisch legen“, so Becker. Zudem werde das BMG im kommenden Jahr Vorschläge in den Bereichen Behandlung von Kindern und Geburtshilfe machen.
Politik will den Strukturwandel begleiten
Über den Umbau der Krankenhauslandschaft in Deutschland sagte Becker: „Wir alle wissen, dass es den Strukturwandel in der stationären Versorgung gibt und geben muss.“ Dass sich durch die verschiedenen Vorgaben der Gesetze und Verordnungen zum Schluss auch die Strukturen veränderten, sei unvermeidbar. Und das sei auch der richtige Weg.
Befragt nach der Entwicklung in den kommenden fünf bis zehn Jahren, sagte Becker: „Ich glaube, dass wir einen sehr effektiven Strukturwandel haben werden, der zu einem Konzentrationsprozess in der Krankenhauslandschaft führen wird.“ Die Politik werde diesen Strukturwandel „sehr genau“ begleiten und im Zweifel auch steuernd eingreifen. So werde die Entwicklung nicht dem Zufall überlassen.
Probleme bekommen vor allem freigemeinnützige Träger
Der Gesundheitsökonom Boris Augurzky vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung erklärte, dass Strukturoptimierungen bereits in den vergangenen fünf Jahren zugenommen hätten – aus dem Eigeninteresse der Träger heraus. So seien vermehrt Zentralkliniken gebaut und Standorte zusammengezogen worden.
Derzeit gebe es aber auch eine zunehmende Zahl an Insolvenzen, so Augurzky. Im aktuellen Krankenhaus Rating Report, den Augurzky zusammen mit anderen Autoren verfasst hat, habe sich gezeigt, dass es den Krankenhäusern im Jahr 2017 deutlich schlechter gegangen sei als im Jahr zuvor. „Ich erwarte, dass sich diese Entwicklung 2018 und auch 2019 fortgesetzt hat“, sagte der Gesundheitsökonom.
Ein Grund dafür sei, dass die Fallzahlen seit 2017 zurückgegangen seien. „Das hängt mit dem stark gestiegenen Fachkräftemangel zusammen“, so Augurzky. „Denn Krankenhäuser müssen Stationen schließen, weil sie nicht ausreichend Pflegekräfte haben, und können dort keine Leistungen mehr erbringen.“ Weitere Gründe könnten die zunehmende Ambulantisierung der Medizin sein sowie eine sinkende Nachfrage in manchen Fachgebieten.
Probleme könnten in den kommenden Jahren insbesondere freigemeinnützige Krankenhäuser bekommen, prognostizierte Augurzky. Denn die privaten Träger könnten den Problemen durch ihre Größe begegnen. Und vielen kommunalen Krankenhäusern würden die Defizite durch die Landkreise ausgeglichen. Das sei bei den freigemeinnützigen nicht möglich.
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