Gesundheitsministerium will mehrere Ansätze für Corona-Warn-App im Blick behalten

Berlin – Das Rennen um den Zuschlag für die Programmierung einer Corona-Warn-App bleibt weiter offen. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) erklärte heute, die Bundesregierung habe das Fraunhofer-Institut beauftragt, eine Machbarkeitsstudie zur PEPP-PT-Technologie zu erstellen.
„Wir behalten aber natürlich weiterhin auch andere App-Entwicklungen im Blick. Am Ende suchen wir eine europäische Lösung, die so strukturiert sein muss, dass sie den deutschen Datenschutz- und Datensicherheitsstandards entspricht und mit dem deutschen Gesundheitswesen kompatibel ist“, hieß es.
Es gehe darum, Kontaktpersonen von Infizierten effektiv zu warnen und einen Überblick über das epidemiologische Geschehen zu behalten. „Genau das ist übrigens auch der Ansatz in der analogen Welt: Mitarbeiter von Gesundheitsämtern befragen Infizierte und sprechen dann mit deren Kontaktpersonen, die sich möglicherweise auch infiziert haben.“
Mit der Erklärung relativierte das Ministerium einen Bericht des Handelsblatts, die Warn-App werde mit dem technischen Konzept der Initiative PEPP-PT entwickelt. Die Zeitung hatte sich auf den digitalpolitischen Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Tankred Schipanski (CDU), berufen und ihn mit den Worten zitiert, das Gesundheitsministerium habe sich unter drei möglichen technischen Plattformen für PEPP-PT entschieden.
Schipanski sagte demnach: „Wir sind bei der Corona-App auf einem guten Weg.“ Die Fraunhofer-Gesellschaft entwickle im engen Austausch mit dem Datenschutzbeauftragten Ulrich Kelber, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und dem Robert-Koch-Institut (RKI) eine App auf Grundlage der PEPP-PT-Technologie.
Die Bundesregierung hatte zuletzt am vergangenen Montag erklärt, man prüfe neben PEPP-PT (Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing) auch den rivalisierenden Ansatz D3-PT (Decentralized Privacy Preserving Proximity Tracing) sowie die in Österreich eingesetzte Lösung der Accenture GmbH.
Bei einem ersten Test eines Konzeptes für eine Corona-Warn-App mit Hilfe der Bundeswehr hatte die Regierung noch allein auf das PEPP-PT-Konzept gesetzt, das von 130 europäischen Wissenschaftlern erarbeitet worden war, darunter auch Forscher des Robert- Koch-Instituts.
In einer heftig geführten Debatte um ein geeignetes Datenschutzkonzept war das PEPP-PT-Projekt allerdings in den vergangenen Tagen in die Kritik geraten, weil es eine zentrale Speicherung der Daten vorsieht. Die Kritiker befürworten eine dezentrale Speicherung auf den jeweiligen Smartphones.
Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz hatte den möglichen Einsatz der Pepp-PT-Technologie scharf kritisiert. „Das Vorgehen der Bundesregierung ist nicht nur tödlich für die Akzeptanz einer App-Lösung, es zeugt auch von mangelndem Respekt gegenüber dem Parlament", sagte er ebenfalls dem Handelsblatt.
Nach Angaben der AfD im Bundestag wurde bei der Sitzung des Bundestagsausschusses „Digitale Agenda“ gestern deutlich, dass die Regierung auf das PEPP-PT-Konzept setze. „Nachdem die Regierung in der Debatte um die Corona-App von Anfang an keine gute Figur gemacht hat, verspielt sie nun endgültig das Vertrauen der Bürger“, erklärte die digitalpolitische Sprecherin der AfD-Bundestagsfraktion, Joana Cotar. Die Regierung solle lieber den dezentralen Ansatz verfolgen, der eine lokale Datenspeicherung erlaube.
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