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Gewerkschaften warnen vor Gesundheitsschäden bei Abkehr vom Acht-Stunden-Tag

  • Freitag, 29. Mai 2026
/tamayura39, stock.adobe.com
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Berlin – Die Bundesregierung hält an ihren Plänen fest, mit einer Reform des Arbeitszeitgesetzes eine Wochenhöchstarbeitszeit einzuführen. Die Gewerkschaften warnten nun erneut vor Gesundheitsschäden durch eine Abkehr vom Acht-Stunden-Tag.

„Zu lange Arbeitstage führen nachweislich zu Krankheiten, die am Ende des Tages nicht nur Beschäftigten schaden, sondern auch der Wirtschaft und dem Gesundheitssystem“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

„Jede Lockerung der Regeln würde einseitig die Arbeitnehmer belasten“, erklärte Piel weiter. „Änderungen am Arbeitszeitgesetz lehnen wir ab: Das aktuelle Gesetz sichert die Gesundheit der Beschäftigten und verhindert, dass Menschen wie Maschinen behandelt werden.“

„Die aktuelle Arbeitszeitdebatte geht an der Lebenswirklichkeit von Familien komplett vorbei“, sagte DGB-Vizechefin Elke Hannack. Teil der schwarz-roten Reformpläne ist, dass es statt eines Acht-Stunden-Tages in Zukunft eine wöchentliche Höchstarbeitszeit geben soll.

Das Argument, alles müsse gegen die Wachstumsschwäche der Wirtschaft getan werden, lässt Hannack nicht gelten: „Wenn Beschäftigte bis zur Erschöpfung arbeiten, steigen nicht die Wachstumskräfte, sondern die Krankenstände und Unfallzahlen. Echtes Wachstum entsteht durch motivierte, gesunde Arbeitskräfte – nicht durch entgrenzte Arbeitszeiten ohne Schutz.“

Hannack sprach sich dafür aus, dass die Beschäftigten mehr selbst über ihre Arbeitszeit mitbestimmen können sollten. Gerade für Frauen würden Job, Kinder, Pflege und Haushalt oft zur Zerreißprobe. Die vielen Anforderungen bekämen sie am besten mit planbaren Zeiten unter einen Hut. Deshalb dürfe „das Weisungsrecht des Arbeitgebers“ nicht durch eine Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit erweitert werden.

Bereits im vergangenen Jahr kam Protest vom Marburger Bund. Die Ärztegewerkschaft sieht für den Plan keine Notwendigkeit und befürchtet eine Aufweichung von Schutzstandards für Arbeitnehmer, wie die 1. Vorsitzende Susanne Johna bereits im Oktober des vergangenen Jahres betont hat. Der Marburger Bund fordert, die tägliche Arbeitszeitgrenze zu erhalten und die tarifliche Regelungskompetenz zu respektieren.

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatte für diesen Juni einen Gesetzentwurf zur Arbeitszeit angekündigt. Auf dem DGB-Bundeskongress Mitte Mai hatte die SPD-Chefin gesagt: „Wenn es nach der SPD und mir persönlich geht, fassen wir das Thema gar nicht erst an, aber es steht im Koalitionsvertrag.“

Nach dem DGB-Kongress gab es Kritik aus der CDU-Zentrale an den Gewerkschaftern. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte für Reformen geworben und war von Teilen des Publikums ausgebuht worden.

Als Teil des Reformprozesses wollen sich die Koalitionsspitzen mit Gewerkschaften und Arbeitgebern im Kanzleramt treffen. Bis zur Sommerpause soll ein Reformpaket bei Steuern, Arbeitsmarkt, Rente und Bürokratieabbau stehen.

Zuletzt hatte die CDU-Politikerin Gitta Connemann Änderungen bei der Wochenarbeitszeit gefordert. „Das heißt, dort, wo der Bedarf ist, auch am Wochenende oder in der Nacht arbeiten zu dürfen“, sagte die Chefin der Mittelstandsunion im RTL/ntv-Frühstart.

dpa/afp

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