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Gilead-Ankauf: Knapp acht Milliarden US-Dollar für aussichtsreiche Zelltherapien

  • Freitag, 6. März 2026
/picture alliance, AP Photo, Eric Risberg
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Foster City – Es ist weder neu noch überraschend, dass bei Übernahmen in der Pharmabranche Milliardenbeträge gezahlt werden. Trotzdem lohnt ein geplanter Ankauf von Gilead Sciences einen genaueren Blick. Der US-Pharmariese will nach eigenen Angaben für 7,8 Milliarden US-Dollar (6,7 Milliarden Euro) das US-Biotechunternehmen Arcellx erwerben.

Die Firma, mit der Gilead bereits über ein Tochterunternehmen kooperiert, entwickelt Immuntherapien gegen Krebs. Doch ihr aussichtsreichster Therapiekandidat, Anitocabtagene autoleucel (Anito-Cel), ist weder zugelassen, noch liegen Daten einer Phase-3-Studie vor. Anito-Cel ist eine Car-T-Zell-Therapie, die sich gegen das Multiple Myelom (Knochenmarkkrebs) richtet.

Gilead schreibt zu dem geplanten Kauf: „In bisherigen klinischen Studien hat Anito-Cel tiefgreifende und dauerhafte Reaktionen mit einem vorhersehbaren und kontrollierbaren Sicherheitsprofil gezeigt und damit wichtige Herausforderungen im Zusammenhang mit aktuellen CAR-T-Zell-Therapien beim multiplen Myelom angegangen.“

Basierend auf vielversprechenden Daten aus einer Phase-1- und einer Phase-2-Studie habe die US-Arzneimittelbehörde FDA einen Lizenzantrag für Anito-Cel als Viertlinien-Therapie angenommen und will darüber bis Ende des Jahres entscheiden, so Gilead. „Über die mögliche Markteinführung in diesem Jahr hinaus könnte Anito-Cel im Laufe der Zeit zu einer grundlegenden Behandlung für das multiple Myelom werden, auch als eine frühere Therapielinie“, sagte Gilead-Chef Daniel O'Day laut einer Pressemitteilung.

In den USA wie auch in der EU sind bislang zwei BCMA-gerichtete CAR-T-Zell-Therapien gegen das Multiple Myelom zugelassen: Ciltacabtagene Autoleucel (Carvykti) von Johnson und Johnson sowie Idecabtagene Vicleucel (Abecma) von Bristol Myers Squibb. Beide werden – wie Anito-Cel auch – aus patienteneigenen T-Zellen hergestellt. Diese werden im Labor so verändert, dass sie einen Chimären Antigenrezeptors(CAR) auf ihrer Oberfläche haben. Damit binden und zerstören sie Zellen, die das B-Zell-Reifungsantigen (BCMA) auf der Oberfläche tragen.

Die drei Ansätze Carvykti, Abecma und Anito-Cel unterscheiden sich darin, aus was die Antigen-bindende Domäne besteht. Arcellx setzt bei Anito-Cel auf sogenannte D-Domains, das sind Proteinstukturen mit drei Peptid-Helices. Die D-Domains bringen laut Arcellx mehrere Vorteile mit sich, unter anderem können die T-Zellen besonders viele D-Domains auf ihrer Oberfläche präsentieren. Dies soll ein besonders vorteilhaftes Andocken von CAR-T-Zellen an Zielstrukturen ermöglichen und könnte auch in anderen Indikationen Verwendung finden.

Auf dem Kongress der American Society of Hematology (ASH) Ende Dezember stellten Gilead und Arcellx Ergebnisse einer Phase-2-Studie vor. Demnach sprachen 96 Prozent der Probandinnen und Probanden, die allesamt bereits mindestens drei Behandlungen hinter sich hatten, auf die Car-T-Zelltherapie Anito-cel an. Momentan läuft auch eine Phase-3-Studie mit Patientinnen und Patienten, die eine bis drei Therapien hinter sich haben.

fri

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