Greenpeace: Hitzefolgen kosten Wirtschaft 36 Milliarden Euro

Berlin – Die Folgen der extremen Hitze und wochenlangen Trockenheit kosten die deutsche Wirtschaft nach Schätzungen von Greenpeace mindestens 36 Milliarden Euro. Das entspreche 0,8 bis 0,9 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung, teilte die Naturschutzorganisation mit.
Greenpeace berechnete dazu die wirtschaftlichen Schäden durch Ernteausfälle, Waldbrände und Gesundheitskosten sowie Produktivitätsverluste und Bildungskosten aufgrund der Hitze.
„Dieser Hitze- und Dürresommer war eine Katastrophe – für Millionen Menschen und für die Volkswirtschaft“, sagte Greenpeace-Finanzexperte Mauricio Vargas. „Auch wenn diese Naturkatastrophe keine Trümmerberge verursacht, ist die Höhe der Schäden erschütternd.“
Vargas forderte die Bundesregierung auf, auf ihrer Kabinettsklausur „mit dem gebotenen Ernst auf die Klimakrise“ zu reagieren. „Die Zahlen sind unmissverständlich: Ein Weiter-so können wir uns schlicht nicht mehr leisten.“
Bei den Berechnungen handele es sich um eine Schätzung, betonte Greenpeace. Die Organisation habe „aufgrund unvollständiger Informationen mit bestimmten Unschärfen bei der Quantifizierung“ gearbeitet.
„Diese Unschärfen werden allerdings in Kauf genommen: Die Schäden aufgrund der unvollkommenen Datenlage nicht zu berücksichtigen, würde zu deutlich größeren Erkenntnislücken führen und das Ausmaß der Naturkatastrophe massiv unterschätzen“, hieß es. Es gehe um eine plausible Abschätzung der Größenordnung der gesamtwirtschaftlichen Schäden.
Wegen der wochenlangen Trockenheit fällt die Ernte in einigen Regionen Deutschlands voraussichtlich deutlich schwächer aus. Die Binnenschifffahrt musste wegen extremen Niedrigwassers streckenweise eingestellt werden.
Betroffen waren vor allem Branchen, die auf große Mengen an Rohstoffen und Vorprodukten angewiesen sind – etwa Chemie, Stahl und Mineralöl. Schätzungen zufolge gingen Dutzende Millionen Arbeitsstunden wegen Hitze verloren.
Greenpeace sieht hier die höchste Schadenssumme: „Bei geschätzt 25 Hitzetagen summieren sich hitzebedingte Produktivitätsverluste und -ausfälle auf 10,8 Milliarden Euro“, heißt es in der Untersuchung.
Dahinter folgen demnach Waldschäden mit schätzungsweise 5,0 bis 7,5 Milliarden Euro sowie wirtschaftliche Schäden durch gesundheitsbedingte Ausfälle mit 6,9 Milliarden Euro. Aber auch Landwirtschaft, Binnenschifffahrt und Ausbildung seien erheblich betroffen.
Die Organisation betonte, dass einige schwerwiegende Folgen noch gar nicht berechnet werden könnten, darunter Folgen für das Energiesystem durch fehlendes Kühlwasser oder durch hitzebedingt erhöhte Ozon- und Feinstaubbelastung.
„Die wahren Kosten von Extremwetterereignissen wie diesem Hitzesommer liegen weit über unseren Berechnungen“, sagte Greenpeace-Experte Vargas. „Investitionen in ambitionierten Klimaschutz schrumpfen daneben auf ein lächerliches Niveau.“
Fachleute betrachten die Berechnungen von Greenpeace hingegen kritisch. In einem Pressegespräch des Science Media Centers (SMC) Deutschland äußerten sich dazu etwa Sonia Seneviratne, Klimawissenschaftlerin an der Universität Zürich, sowie Reimund Schwarze, Ökonom am Helmholtz Zentrum für Umweltforschung und Maximilian Auffhammer, Umweltökonom an der University of California.
Nach vielen Jahren der Forschung gebe es inzwischen zwar sehr gute Methoden, aber noch nicht „die eine Zahl“, die die Kosten für den Klimawandel zusammenfasse, hieß es. Kosten für die nächsten Jahre seien aufgrund diverser Schwankungen schwer berechenbar. Insbesondere in Deutschland fehlten zudem Daten, um die Kosten näher beschreiben zu können, waren sich die Forschenden einig.
Dass die Berechnung der Klimawandelkosten schwierig ist, wird auch in einem umfangreichen Fact Sheet des SMC deutlich. Vorgestellt werden verschiedene Faktoren, die Einfluss auf die Berechnung der Klimakosten haben. Auch darin heißt es, es gebe nicht „die“ Kosten des Klimawandels.
Vielmehr hänge die Schadenshöhe davon ab, was als Schaden definiert werde. Es zähle zudem nicht nur das Bruttoinlandsprodukt. Faktoren wie Gesundheitsverluste, Mortalität, Biodiversität, Ökosysteme, Lebensqualität und Verteilungswirkungen fehlten in den Analysen überdies häufig.
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