Haiti: Hunderttausende warten verzweifelt auf langsam anlaufende Hilfe

Port-au-Prince – Ein Schimmer der Hoffnung inmitten all der Verzweiflung: Fünf Tage nach dem schweren Erdbeben in Haiti haben die internationalen Einsatzkräfte drei Überlebende aus den Trümmern gerettet. Dies war jedoch nur ein Einzelfall - hunderttausende Menschen warteten am Wochenende zunehmend verzweifelt auf internationale Hilfe, die nur langsam anlief.
Die drei Haitianer seien am Sonntagmorgen aus den Trümmern eines eingestürzten Supermarktes in der Hauptstadt Port-au-Prince gezogen worden, teilten Rettungskräfte aus der Türkei und den USA mit. Bei den Geretteten handele es sich um ein siebenjähriges Mädchen, einen 34-jährigen Mann und eine Frau im Alter von 50 Jahren.
Alle drei waren seien nur leicht verletzt. Die Rettungskräfte versuchten, auch einen vierten Überlebenden aus den Trümmern des Supermarktes zu bergen. Seit dem Beben retteten die internationalen Helfer damit insgesamt etwa 70 Überlebende aus den Trümmern in Port-au-Prince.
Nach Schätzungen der haitianischen Behörden wie auch der Weltgesundheitsorganisation WHO kamen bei dem Erdbeben am Dienstag bis zu 50.000 Menschen ums Leben, 250.000 weitere wurden verletzt. Etwa 1,5 Millionen Menschen wurden obdachlos. Haitis Ministerpräsident Jean-Max Bellerive sagte am Samstag, bislang seien 25.000 Todesopfer geborgen und beerdigt worden.
Temperaturen um die 30 Grad beschleunigten die Verwesung der in den Straßen liegenden Leichen und erhöhten die Seuchengefahr. Unter den Todesopfern ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes auch ein junger Deutscher, weitere 30 Deutsche wurden noch vermisst.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von der „seit Jahrzehnten schlimmsten humanitären Krise“. Er traf am Sonntag in Port-au-Prince ein, wo er nach eigenen Angaben "dem haitianischen Volk die Solidarität und Unterstützung der UNO" zeigen wollte. In Rom gedachte Papst Benedikt XVI. mit einer Schweigeminute der Opfer des Erdbebens.
Vor Ort verteilten die UNO und internationale Hilfsorganisationen unter chaotischen Umständen Lebensmittel, Trinkwasser und andere Hilfsgüter. Nach wie vor gab es erhebliche logistische Engpässe am Flughafen von Port-au-Prince, wo die USA inzwischen die Kontrolle übernommen haben.
US-Hubschrauber erhöhten zwar die Frequenz der Hilfslieferungen, viele hungernde Menschen plünderten jedoch erneut Geschäfte in der Hauptstadt Port-au-Prince.
Nach tagelangen Anstrengungen erreichte auch ein erster Konvoi die Stadt Léogâne, rund 17 Kilometer westlich der Hauptstadt. Dort sah ein AFP-Reporter ganze Straßenzüge von zerstörten Häusern. „Hier ist das Epizentrum des Bebens und viele, viele tausend sind tot“, sagte der Sprecher einer Hilfsorganisation.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: