Hartmannbund befürchtet „Haus- und Landarztsterben“

Berlin – Die Politik trägt aus Sicht des Arbeitskreises „Ambulante Versorgung“ im Hartmannbund eine Mitverantwortung für das „Haus- und Landarztsterben“. Insbesondere dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) wirft der Arbeitskreis vor, mit seiner „anhaltenden Hängepartie“ im Hinblick auf die Situation der ambulanten Versorgungsebene ein weiteres „Haus- und Landarztsterben“ hinzunehmen.
Damit sei die Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen, flächendeckenden Versorgung gefährdet – ungeachtet angekündigter Strukturreformen, deren Umsetzung und Auswirkungen noch „Jahrzehnte auf sich warten ließen“, hieß es heute vom Hartmannbund.
Trotz eindrücklicher Forderungen der Ärzteschaft nach einer finanziellen und infrastrukturellen Stärkung der niedergelassenen Ärzte habe sich bislang nur wenig getan. Der Hartmannbund beklagt unter anderem eine „fehlerhafte Telematikinfrastruktur“ (TI) und täglich steigende Kosten – vor allem bei Betriebsmitteln und Energie.
Zusätzliche Belastungen, insbesondere durch die Coronapandemie, die nicht vergütet würden, sowie die drastisch steigende Inflation schränkten den finanziellen Spielraum der Arztpraxen darüber hinaus erheblich ein, betonte der Arbeitskreis.
Jenseits der wirtschaftlichen Aspekte trage zur schlechten Stimmung auch bei, dass das Praxispersonal oftmals Ärger, Unmut und teilweise leider auch verbale und körperliche Gewalt durch Patienten im Rahmen der Coronapandemie erfahre.
Zudem kritisiert der Arbeitskreis die Entwicklung rund um die neue Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). „Die GOÄ-Novellierung muss jetzt kommen, um die Sicherheit der ambulanten Versorgung zu gewährleisten“, forderte Sebastian Gassner, stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises.
Die Signale aus dem BMG ließen allerdings erahnen, dass auch diese Hängepartie weitergehe. Bei alledem ignoriere Gesundheitspolitik die Leistungen der Niedergelassenen, obwohl diese – und nicht die lediglich auf Gewinnmaximierung konzentrierte „Gesundheitsindustrie“ – maßgebliche Träger der täglichen Patientenversorgung in Deutschland seien.
„Werden die Interessen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte weiterhin ignoriert, ist eine Verschiebung der ambulanten Versorgung der Bevölkerung in Richtung der Träger wie Kapital- und Aktiengesellschaften zwangsläufig, was letztlich aber mit einer Verschlechterung der ambulanten Versorgung einhergehen wird“, zeigte sich Gassner überzeugt.
Der Hartmannbund fordere daher die Politik auf, unverzüglich die Interessen der niedergelassenen Ärzte wieder angemessen in den Blick zu nehmen.
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