Hausärzteverband kritisiert Bestellsystem bei Grippeimpfstoffen

Berlin – Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband kritisiert das starre Bestellsystem bei Grippeimpfstoffen, das Praxen bei nicht abgerufenen Impfdosen finanziellen Sanktionen aussetzt.
„Dieser Winter hat eindrücklich gezeigt, wie stark das Regressrisiko die Impfkampagne behindert“, hieß es aus dem Verband. Wer die Impfquote steigern wolle, müsse den Praxen ermöglichen, eine höhere Impfnachfrage zu bedienen und dafür die Impfregresse abschaffen, so die Forderung.
Praxen müssen den Bedarf an Grippeimpfstoffen bereits ein Dreivierteljahr im Vorhinein festlegen und entsprechend bestellen. Zu diesem Zeitpunkt ist aber nicht absehbar, wie hoch die Nachfrage in der anstehenden Saison ausfallen wird. Bestellen die Praxen zu viel Impfstoff, der aufgrund zu geringer Nachfrage nicht verimpft werden kann, laufen sie Gefahr, von den Krankenkassen finanziell sanktioniert zu werden.
Daher orientieren sie sich laut dem Verband an dem Impfstoffbedarf der vorangegangenen Grippesaison und rechneten keine großen Reserven ein – mit dem Risiko, dass am Ende Impfstoff fehle. Eine Nachbestellung im Verlauf der Impfsaison sei aufgrund der Produktionsdauer nicht möglich, informiert der Verband.
In dieser Grippesaison 2025/2026 stieg angesichts einer frühen Grippewelle sowie dem neuen Virenstamm, „Subklade K“ die Patientennachfrage nach Impfungen in vielen Praxen früher und stärker an. Entsprechend berichteten zahlreiche Hausärztinnen und Hausärzte, dass bereits Mitte Dezember in einigen Regionen Deutschlands bestimmte Grippeimpfstoffe fehlten.
„Die Regressangst hängt seit Jahren wie ein Damoklesschwert über der Impfkampagne“, erklärte der Vorstand des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes – das sind Nicola Buhlinger-Göpfarth und Markus Beier. Das müsse sich dringend ändern. Kein Arzt sollte Regresse fürchten müssen, weil er versucht, ausreichend Impfstoff für seine Patientinnen und Patienten vorzuhalten, sagten sie.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: