Vermischtes

Viele Kinder mit Influenza im Krankenhaus

  • Donnerstag, 15. Januar 2026
/Sura Nualpradid, stock.adobe.com
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Berlin – Die meisten Kinder, die zurzeit wegen einer akuten Atemwegsinfektion ins Krankenhaus kommen, haben eine Grippe. „Im Moment liegen die Influenza-Fälle über denen mit SARS-CoV-2 und RSV“, sagt Nicole Töpfner, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Über die Weihnachtsferien sei die Zahl der stationären Aufnahmen leicht zurückgegangen. Seit dem Ende der Ferien steige sie wieder.

Nach Einschätzung der Ärztin ist das aktuelle Geschehen aber nicht unüblich. Die Zahl der Grippefälle liege im erwartbaren Bereich. „Es gibt keine Hinweise auf mehr schwere Verläufe als in den Vorjahren“, so Töpfner, Oberärztin an der Pädiatrischen Infektiologie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus in Dresden.

Die Informationen der DGPI beruhen auf den Angaben von rund 50 Kinderkliniken in ganz Deutschland, die wöchentlich die Zahl der akuten Atemwegsinfektionen melden.

Influenzaerkrankungen betreffen zurzeit alle Altersgruppen, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellen Wochenbericht zu akuten Atemwegsinfektionen berichtet. Die im Abwasser gemessene Viruslast des Influenza-Typs A ist den Angaben zufolge in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Nachgewiesen werden demnach vor allem Influenza A(H3N2)-Viren. Die Influenza-B-Viruslast lag auf einem niedrigen Niveau.

Analysen zum Impfstoff

Besonderes Augenmerk in dieser Saison liegt auf der sogenannten Subklade K, die sich an verschiedenen Stellen vom Impfstoffvirus A/Croatia/10136RV/2023 unterscheidet. Erste Schätzungen gingen dennoch von einer Wirksamkeit gegen schwere Verläufe aus.

Dem RKI-Wochenbericht zufolge sind bisher 137 Influenza A(H3N2)- und 68 A(H1N1)pdm09-Viren sowie ein B/Victoria-Virus in Zellkultur isoliert und auf Passgenauigkeit mit den aktuellen Impfstammantiseren im Hämagglutinationshemmtest untersucht worden.

Bei A(H3N2)-Viren zeigte sich demnach eine reduzierte Reaktivität. Dies könne darauf hindeuten, dass in dieser Saison bei A(H3N2)-Viren der Subklade K der Schutz vor einer Infektion nach der Grippeschutzimpfung „etwas verkürzt“ sein könnte, vor allem bei jüngeren Menschen, die noch nicht so viele Antigenkontakte hatten, schreibt das RKI.

„Es wird erwartet, dass der Grippeimpfstoff jedoch weiterhin Schutz vor schweren Erkrankungen bietet“, heißt es im Bericht. Weiter seien alle untersuchten Influenzaviren gegen die Neuraminidasehemmer Oseltamivir und Zanamivir empfindlich gewesen.

Schwere Verläufe in allen Altersgruppen

Dass immer mehr Menschen an der saisonalen Grippe erkranken, zeigt sich auch an den Meldedaten: In der Woche vom 5. bis 11. Januar wurden dem RKI bislang knapp 20.500 labordiagnostisch bestätigte Grippefälle gemeldet. In der Woche zuvor waren es rund 14.930. Die Werte können sich durch später eingehende Meldungen noch ändern. Da nur noch selten getestet wird, ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Schwere Influenzaverläufe traten vergangene Woche in allen Altersgruppen auf, wie aus Daten von Krankenhäusern hervorgeht. Bei mehr als jedem zweiten Patienten zwischen zwei und 34 Jahren, der wegen einer schweren akuten respiratorischen Infektion (SARI) ins Krankenhaus musste, wurde laut RKI Influenza diagnostiziert.

Eine Grippe beginnt meistens plötzlich mit Fieber oder einem deutlichen Krankheitsgefühl. Zusätzlich können Muskel- und Kopfschmerzen und nachfolgend ein trockener Husten eintreten. Eine Grippe kann aber auch weniger typisch und ohne Fieber verlaufen.

Wenige Kinder mit Vorerkrankungen seien geimpft

Die Impfung gegen die saisonale Influenza wird Menschen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf empfohlen. Dazu zählen unter anderem Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, medizinisches Personal, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sowie Menschen mit Vorerkrankungen, darunter auch Kinder. Laut der Kinderärztin Nicole Töpfner sind Kinder mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf viel zu selten geimpft. „Die Impfung wird nicht gut angenommen.“

Kinder tragen den Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) zufolge erheblich zur Verbreitung der jährlichen Influenza-Epidemie bei. Die Experten fordern daher, eine Influenza-Impfung für alle ab dem sechsten Lebensmonat. Die Grippesaison würde dann deutlich anders verlaufen, so die Meinung der Experten. In der Saison 2024/25 wurden in den Kliniken laut DIVI 135.000 Influenzafälle behandelt, davon 30.000 Kinder.

Das höchste Risiko für schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle haben nach RKI-Angaben ältere Menschen. Die Zahl der Todesfälle könne bei den einzelnen Grippewellen stark schwanken, von mehreren hundert in einer Saison bis mehr als 25.000 in der Saison 2017/18. Diese Saison sind bisher 225 Todesfälle an das RKI übermittelt worden. 95 Prozent seien 60 Jahre oder älter gewesen. Wegen der begrenzten Erfassungsmöglichkeiten wird die influenzabedingte Sterblichkeit in der Regel im Nachhinein mit Modellen geschätzt.

Influenza ist kein „Schnüpfchen“

Influenza ist eine ernstzunehmende Krankheit und kein „Schnüpfchen“, wie Ärztinnen und Ärzte der DIVI immer wieder betonen. Gerade Kinder könnten schwer an dem Virus erkranken.

Wie ist die Lage auf den Intensivstationen, auch auf denen für Erwachsene? Derzeit sei der DIVI nicht bekannt, dass es größere Versorgungsengpässe auf den Intensivstationen gebe, sagte eine Sprecherin. Ein Drittel der Intensivstationen in Deutschland meldeten derzeit einen eingeschränkten Betrieb. Das bedeutet, dass geplante Operationen verschoben werden müssen, um akute Fälle behandeln zu können.

Ob die hohe Auslastung im Zusammenhang mit Atemwegsinfektionen liege, könne sie anhand der Meldedaten nicht sagen, erklärte die Sprecherin. Vergangenes Jahr hätten zu dieser Zeit aber deutlich mehr Intensivstationen eingeschränkt arbeiten müssen. Der Wert sei also noch moderat.

Zu Beginn der diesjährigen Grippesaison waren unter anderem aus Großbritannien Warnungen vor einer frühen, heftigen Welle gekommen. Dort sprachen Politik und Medien teils von einer „Superflu 2025“. Mit diesem Begriff setzt sich eine Analyse im British Medical Journal (BMJ 2026; DOI: 10.1136/bmj.s13) nun kritisch auseinander.

Für manche der im Artikel zitierten Experten stehen die Rhetorik und die zu beobachtenden Meldedaten nicht im Einklang, zudem hätten politische Faktoren wie die grundsätzlich sehr hohe Belastung des Gesundheitsdienstes NHS und anstehende Ärztestreiks in die Kommunikation hineingespielt.

dpa/ggr

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