Ärzteschaft

Hausarztpraxen behandeln Großteil der Akutfälle abschließend

  • Mittwoch, 1. Oktober 2025
/picture alliance, Monika Skolimowska
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Berlin – Der Anteil von Akutfällen an allen hausärztlichen Behandlungsfällen in Deutschland beträgt 71,4 Prozent. Gut dreiviertel dieser Akutfälle werden ausschließlich und abschließend in der Hausarztpraxis behandelt. Dies zeigt eine vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) geförderten Studie des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität zu Lübeck, die heute veröffentlicht worden ist.

Demnach waren bei 32,3 Prozent der Patientinnen und Patienten mit einem Akutfall innerhalb von 14 Tagen weitere hausärztliche Kontakte erforderlich. Bei 23,7 Prozent erfolgte eine Überweisung zum Spezialisten – am häufigsten in den gastroenterologischen oder orthopädischen Versorgungsbereich. Lediglich 3,4 Prozent der sich akut in Hausarztpraxen vorstellenden Patienten mussten laut der Analyse stationär aufgenommen werden. 29,1 Prozent der Akutfälle von 18- bis 65-Jährigen zogen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nach sich.

„Seit Jahren wird beklagt, dass sich in den Notaufnahmen vielfach Patientinnen und Patienten mit nichtdringlichen Beschwerden vorstellen und hierdurch knappe Ressourcen in der Notfallversorgung für Situationen in Anspruch genommen werden, die in Praxen behandelt werden sollten“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried. Jetzt werde durch die Studie deutlich, dass der größte Anteil der in den Hausarztpraxen auftretenden Akutfälle abschließend ambulant versorgt wird. Für rund ein Drittel der Akutfälle übernähmen die Hausarztpraxen die weitere Koordination der Versorgung.

„Die Bedeutung der hausärztlichen Versorgung wird bei der politischen Diskussion um die Einrichtung und Verortung von Integrierten Notfallzentren (INZ) bisher nicht ausreichend bedacht. Denn zum einen sollten nicht mehr Akutfälle in die INZ geleitet werden, zum anderen stellt sich die Frage, wo die Anschlussversorgung stattfinden soll“, betonte von Stillfried.

Internationale Studien würden zeigen, dass Hilfesuchende vor allem dann auf Krankenhäuser ausweichen, wenn der Zugang zur hausärztlichen Versorgung aus Sicht der Hilfesuchenden erschwert sei, aber der Zugang zur Notfallversorgung erleichtert werde.

„Die Ergebnisse der Untersuchung unterstreichen die zentrale Rolle der Hausärztinnen und Hausärzte in der Akutversorgung. Gleichzeitig entkräften sie das häufige Missverständnis, Hausarztpraxen seien vorrangig für Überweisungen zuständig“, unterstrich Jost Steinhäuser, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Universität zu Lübeck. Die Stärkung der Primärversorgungsinfrastruktur und die Unterstützung des hausärztlichen Versorgungsbereichs in der Akutversorgung seien daher essenzielle Voraussetzungen für ein nachhaltigeres Gesundheitssystem.

Wende man den in der Studie ermittelten Anteil an Akutfällen auf alle hausärztlichen Fälle an, würden in den Hausarztpraxen pro Jahr rund 134 Millionen Akutfälle versorgt, machte von Stillfried deutlich. Demgegenüber hätten die Notaufnahmen während der Sprechstundenzeiten rund 4,9 Millionen Akut- und Notfälle pro Jahr abgerechnet.

Dieses Größenverhältnis zeige, wie wichtig die mehr als 33.000 Hausarztpraxen in Deutschland für die Akutversorgung sind. „Im Rahmen der kommenden Notfallreform sollten daher nicht zusätzliche Angebote eröffnet, sondern vorhandene Versorgungsstrukturen sinnvoll zusammengebracht werden“, forderte der Zi-Vorstandsvorsitzende.

aha

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