Ärzteschaft

IGeL-Monitor bewertet Nutzen von Osteopathie bei Kreuzschmerzen als unklar

  • Donnerstag, 18. Juni 2026
/Cavan for Adobe, stock.adobe.com
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Essen – Die vorhandene Evidenz erlaubt keine klare Aussage zum Nutzen oder zum Schaden der Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen. Zu diesem Ergebnis kommt die Auswertung „Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen“, die der Medizinische Dienst Bund (MD Bund) im Rahmen des IGeL-Monitors vorgestellt hat. Die Arbeitsgruppe des IGeL-Monitors bewertete die Nutzen-Schaden-Bilanz der Intervention insgesamt als „unklar“. 

Unspezifische Kreuzschmerzen, also Schmerzen im unteren Rücken ohne nachgewiesenen Grund, machen rund 85 Prozent aller Rückenschmerzen aus. Es ist ein Volksleiden mit hoher Krankheitslast. Die Osteopathie versteht sich als eine sanfte und ganzheitliche Behandlungsform. Sie ist eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL). Ihre Kosten werden in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen.

Der Bericht bewertete die IGeL „Osteopathie“ bei erwachsenen Personen mit unspezifischen Kreuzschmerzen. Dazu hat das Wissenschaftsteam akute, subakute, chronische und chronisch rezidivierende Verläufe einbezogen.

Untersucht wurde der Nutzen und Schaden osteopathischer Behandlungen im Vergleich zu keiner Behandlung, zu einer Scheinbehandlung oder zu konservativen Behandlungen. Eingeschlossen wurden verschiedene osteopathische Verfahren aus den Bereichen der parietalen, viszeralen und kraniosakralen Osteopathie.

Eine Recherche nach relevanten Studien ergab rund 250 Arbeiten. Davon stufte das Team des IGeL-Monitors drei Reviews und zwei Einzelstudien als relevant ein und untersuchte diese genauer. Als Leitreview diente eine italienische Arbeit von Dal Farra et al. (2021), die zehn Studien umfasste.

Die zusammengefasste Evidenz weist dem Bericht zufolge für Personen mit chronischen unspezifischen Kreuzschmerzen auf mögliche Vorteile der osteopathischen Behandlung hinsichtlich der Endpunkte Schmerz und Funktion hin.

Nach Einschätzung des Redaktionsteams beruhen diese Ergebnisse jedoch auf Evidenz von sehr niedriger bis niedriger Qualität. Deshalb folge daraus kein Hinweis auf einen Nutzen der Osteopathie. In der Übersicht der Nutzennachweise wurde für die Endpunkte Schmerz, Funktion, Schlaf und Angst weder ein Vorteil noch ein Nachteil ausgewiesen.

Für die Bewertung von Schäden lagen dem Report nach nur begrenzte Daten vor. Unerwünschte Ereignisse wurden in den eingeschlossenen Studien teilweise nicht oder nicht adäquat erhoben.

In einzelnen Studien wurden unerwünschte Ereignisse berichtet, darunter vorübergehende Verschlimmerungen von Rückenschmerzen, Muskelverspannungen oder andere körperliche Wahrnehmungen. Ein Hinweis auf einen Schaden der osteopathischen Manipulationsbehandlung ließ sich aus den vorliegenden Daten aber nicht ableiten.

Die Bewertung durch das Team des IGeL-Monitors könnte laut Daniel Belavy vom Studienbereich Physiotherapie, Fachbereich Pflege-, Hebammen- und Therapiewissenschaften der Hochschule Bochum – University of Applied Sciences sogar zu positiv für die Osteopathie ausgefallen sein.

„Durch die Wahl des Leitreviews kommt der Bericht des IGeL-Monitors zu dem Schluss, dass die Wirksamkeit der Osteopathie unklar sei. Im Gegensatz dazu würde ein Fokus auf die Gesamtevidenz zu dem Schluss führen müssen, dass Osteopathie im Vergleich zu Schein- oder Placebobehandlungen nicht wirksamer ist. Oder bestenfalls, dass sie im Vergleich zu einem Placebo einen kleinen, aber klinisch nicht bedeutsamen Effekt hat“, sagte er.

Laut Belavy ist belegt, dass die Osteopathie im Vergleich zu einem Placebo nicht in klinisch bedeutsamer Weise wirksamer ist. „Wir brauchen nicht mehr ineffektive Behandlungen im deutschen Gesundheitssystem, sondern weniger. Und wir benötigen auch eigentlich keine weiteren Studien“, sagte er.

Dies sieht David Hohenschurz-Schmidt vom Imperial College London anders: „Jedenfalls zeigt sich, dass weitere große und hochwertige Studien mit längeren Beobachtungszeiträumen notwendig sind. Was wir nicht benötigen, sind noch mehr kleine und unprofessionell durchgeführte Studien, denn diese sind wenig aussagekräftig“, sagte er. 

Hohenschurz-Schmidt gab an, Einkünfte aus privater osteopathischer Praxis sowie von der Osteopathie Schule Deutschland erhalten zu haben.

hil

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