Implantatauswahl muss laut Fachgesellschaft in ärztlicher Hand bleiben

Berlin – Ärzte und nicht Ökonomen müssen darüber entscheiden, welche Implantatmodelle welcher Hersteller in einer Klinik zum Einsatz kommen. Das fordern die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik (AE). Andernfalls drohten Qualitätseinbußen bei der Versorgung mit künstlichen Hüft- und Kniegelenken durch den wachsenden Einfluss ökonomischer Faktoren.
„In den meisten Kliniken entscheiden die Operateure entweder eigenverantwortlich oder gemeinsam mit den Einkaufsabteilungen, welche Implantatmodelle von welchem Hersteller zum Einsatz kommen. Damit wird medizinischen Aspekten ausreichend Rechnung getragen“, sagte der AE-Generalsekretär und stellvertretende DGOU-Präsident Carsten Perka. Er warnte, es gebe mittlerweile jedoch auch Häuser, in denen die Mediziner nur noch sehr eingeschränkt in die Auswahl der Implantate einbezogen oder vor einem Herstellerwechsel vom Klinikmanagement zurate gezogen würden.
Die beiden Fachgesellschaften verweisen in diesem Zuge auf Analysen des Endoprothesenregisters Deutschland (EPRD). In diesem sind mittlerweile mehr als eine Million Operationen aus mehr als 700 Krankenhäusern dokumentiert. Der größere Teil davon entfällt mit etwas mehr als 560.000 Eingriffen auf Hüftoperationen, der Rest mit etwas mehr als 440.000 auf Operationen des Knies.
„Wissenschaftliche Auswertungen im Rahmen des jüngsten EPRD-Jahresberichtes belegen, dass Kliniken nach einem Wechsel des sogenannten Hauptherstellers signifikant höhere Ausfallwahrscheinlichkeiten bei Hüft- und Knie-Endoprothesen aufweisen, also mehr Wechseloperationen nötig sind“, erläuterte Volkmar Jansson, wissenschaftlicher Direktor des EPRD.
Als Haupthersteller einer Klinik gilt dem EPRD zufolge das Unternehmen, von dem 70 Prozent und mehr der in einem Krankenhaus verwendeten Implantate stammen. „Erfolgen Implantat- oder Herstellerwechsel unvermittelt und häufig, muss jedes Mal wieder eine Lernkurve mit den neuen Implantatmodellen überwunden werden. Das kann die Zahl der Komplikationen und erneuten Operationen erhöhen“, betonte der AE-Vizepräsident Karl-Dieter Heller.
Das EPRD tritt daher dafür ein, dass Medizin und Management in den Krankenhäusern eine gemeinsame Implantatstrategie festlegen, um überraschende Wechsel aus bloßen wirtschaftlichen Gründen auszuschließen. Im besten Falle gäben Ärzte zunächst ein Portfolio aus mehreren fachlich geeigneten Implantaten vor, das alle medizinisch notwendigen Versorgungsformen abdecke. Erst danach sollten die Einkaufsabteilungen mit den Herstellern über den Preis verhandeln. „Die Entscheidung über die Implantatauswahl muss trotz ökonomischen Drucks letztlich in ärztlicher Hand bleiben“, so Perka.
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