Ärzteschaft

Intensivmediziner für zentrale Verteilung von COVID-19-Patienten

  • Montag, 30. März 2020
Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Uwe Janssens. /picture alliance, Annegret Hilse, Reuters-Pool
Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Uwe Janssens. /picture alliance, Annegret Hilse, Reuters-Pool

Berlin − Intensivmediziner in Deutschland haben sich für eine bundesweit zentrale Ver­tei­lung von COVID-19-Patienten auf die Krankenhäuser des Landes ausgesprochen. Sollte in „zwei bis vier Wochen“ der Höhepunkt der Infektionszahlen erreicht werden, seien die Belastungsgrenzen für Kliniken in einigen Regionen überschritten, warnte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, in den Zeitungen der Funke Mediengruppe von heute.

Die Bundesregierung müsse deshalb so schnell wie möglich eine zentrale Stelle einrich­ten, die Patienten bundesweit auf weniger ausgelastete Kliniken verteile. Dabei sollten das Robert-Koch-Institut (RKI), das Gesundheitsministerium, das Innenminis­terium und die Bundeswehr beteiligt werden, forderte Janssens.

Damit eine solche länderübergreifende Verteilung funktioniere, müssten zudem Kliniken mit Intensivstationen staatlich verpflichtet werden, ihre Kapazitäten im bundesweiten Intensivregister der DIVI zu melden, sagte Janssens. Von den rund 1.160 Kliniken haben nach seinen Angaben erst rund 700 ihre freien und belegten Intensivbetten gemeldet.

Janssens kritisierte, dass die deutsche Politik nicht rechtzeitig genug auf die Ausbreitung des neuartigen Virus reagiert habe. Die Coronakrise in Deutschland sei schon im Januar „absolut vorhersehbar“ gewesen: „Die Regierungen in Bund und Ländern hätten die kla­ren Signale früher wahrnehmen müssen, um dann entsprechende Maßnahmen einzu­lei­ten.“

afp

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