Internisten fordern mehr Weiterbildungsstellen für Infektiologen
Wiesbaden – Jede Klinik in Deutschland sollte über Infektiologen verfügen. Das fordert die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). „Die Sterblichkeit von Patienten ist beispielsweise erhöht, wenn Ärzte nicht sofort das richtige Antibiotikum einsetzen und die Patienten optimal weiterbetreuen“, warnte Norma Jung vom Universitätsklinikum Köln. Der weitere Verlauf der Infektion hänge unmittelbar von der Expertise des Klinikpersonals ab: Studien zeigten, dass die Diagnose und die Therapie von Infektionen bei Krankenhauspatienten besser verlaufen, wenn sich der behandelnde Arzt mit einem Infektiologen berät. Besonders deutlich sei dieses Ergebnis für gefährliche Blutstrominfektionen mit dem Erreger Staphylococcus aureus.
Aber auch Patienten mit einer Endokarditis profitierten von einem interdisziplinären Ärzte-Team mit einem Kardiologen, einem Herzchirurgen und einem Infektiologen. „Dieser Konsilservice kann lebensrettend sein“, so Jung. Sie betonte, es sei „nötiger denn je, dass wir die verbliebenen wirksamen Antibiotika effektiv einsetzen“. Eine infektiologische Beratung könne dazu beitragen.
Deutsche Kliniken liegen im internationalen Vergleich mit ihrer infektiologischen Expertise laut der DGIM zurück. Schätzungen zufolge fehlten allein in Krankenhäusern mindestens 1.000 qualifizierte Fachkräfte. Außerdem sei die Infektiologie als eigener Fachbereich nur selten vertreten. „Es müssten dringend mehr Weiterbildungsstellen geschaffen werden, um ausreichend Infektiologen für ihre Arbeit zu qualifizieren“, betonte Jung.
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