Invasive Meningokokken-Erkrankungen unter MSM
Stockholm – Invasive Meningokokken-Erkrankungen, die im letzten Jahr in New York unter Männern, die Sex mit Männern (MSM) haben, zu mehreren Todesfällen geführt haben, sind nach Auskunft des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) auch in Europa aufgetreten. In Deutschland, Frankreich und Belgien wurden in den letzten Monaten insgesamt sieben Fälle bekannt.
Erkrankungen durch Neisseria meningitidis sind in den Industrieländern selten geworden. Wenn es zu Erkrankungen kommt, sind meistens Kinder und Jugendliche betroffen. Bei Erwachsenen sind invasive Meningokokken-Erkrankungen derart selten, dass die 22 Erkrankungen (darunter 7 Todesfälle), zu denen es seit August 2010 in New York gekommen ist, eine außergewöhnliche Häufung sind.
Hinzu kommt, dass alle Patienten zur umschriebenen Gruppe der MSM gehörten. Die US-Centers for Disease Control and Prevention errechneten für diese Gruppe eine Inzidenz von 12,6 pro 100.000 Personen gegenüber 0,16 pro 100.000 Personen bei anderen Männern in der Altersgruppe von 18 bis 64 Jahren.
Aufgrund der hohen Mobilität dieser Gruppe und der internationalen Resonanz von Massenveranstaltungen wie dem Christopher Street Gay Liberation Day wurde eine Ausbreitung der Infektionen auf andere Länder befürchtet. Seit Februar sind in Europa erste Erkrankungen aufgetreten. Aus Deutschland wurden der ECDC drei Fälle gemeldet. Keiner der Männer war nach New York gereist, einer soll jedoch in Berlin Kontakt zur „internationalen MSM-Gemeinschaft“ gehabt haben.
In Belgien erkrankte ein weiterer Mann nach einem dreiwöchigen Aufenthalt in London. Die französischen Behörden recherchierten drei Erkrankungen von MSM, die regelmäßige Besucher von Schwulen-Bars gewesen sein sollen. Alle sieben Patienten hatten sich mit der gleichen genetischen Variante des Serotyps C von Neisseria meningitidis infiziert. Ob es der gleiche Erreger wie in den USA ist, steht noch nicht fest.
Die isolierten Erreger werden vom derzeitigen Impfstoff erfasst, der in Deutschland und anderen europäischen Ländern verwendet wird. Die Impfung, die zu Beginn des 2. Lebensjahres erfolgt, wird allerdings erst seit einigen Jahren angeboten. Erwachsene haben deshalb keinen Impfschutz, der nach einer Impfung im Kindesalter ohnehin zeitlich begrenzt sein soll.
Für den Fall weiterer Erkrankungen dürften die Gesundheitsbehörden über die Impfung von Zielgruppen nachdenken. In den USA und Kanada ist es in den letzten Jahren zweimal zu kleinen Ausbrüchen unter MSM gekommen. Im Jahr 2001 wurden sechs invasive Meningokokken-Erkrankungen in Toronto bekannt, im Jahr 2003 kam es in Chicago ebenfalls zu sechs Erkrankungen. Beide Male wurde eine lokale Impfaktion unter MSM durchgeführt. In Toronto wurden mehr als 3.850 Impfungen durchgeführt, in Chicago wurden 14.267 Dosen verimpft.
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