Politik

IQWiG sieht keinen Zusatznutzen für die Erstbehandlung von Lungenkrebspatienten mit Dacomitinib

  • Montag, 5. August 2019
/psdesign1, stock.adobe.com
/psdesign1, stockadobecom

Köln – Trotz einem ingesamt längerem Gesamtüberleben der Patienten sieht das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) keinen Zusatznutzen der Erstlinien-Behandlung von Erwachsenen mit bestimmten Lungenkarzinomen mit dem Wirkstoff Dacomitinib gegenüber der Vergleichstherapie. Das berichten die Kölner Wissenschaftler des Instituts nach einer frühen Nutzenbewertung.

Dacomitinib ist seit April 2019 für die Behandlung von lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) mit aktivierenden Mutationen des Epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors (EGFR) zugelassen.

Der Hersteller legte laut der IQWiG-Webseite „gesundheitsinformation.de" eine Studie mit 452 Personen vor, deren Tumor eine sogenannte L858R- oder del 19-EGFR-Mutation aufwies. In dieser Studie bekam die eine Hälfte der Teilnehmenden Dacomitinib, die andere Hälfte wurde mit dem Wirkstoff Gefitinib behandelt. Zu Beginn der Studie waren alle Teilnehmenden in gutem Allgemeinzustand. Sie wurden im Mittel etwas über zwei Jahre untersucht. Für diese Patienten mit L858R- oder del 19-EGFR-Mutation zeigten sich folgende Ergebnisse:

Die Überlebenszeit war im Dacomitinib-Arm der Studie mit etwa 34 Monaten im Median gut sieben Monate länger als im Gefitinib-Arm (knapp 27 Monate). Außerdem zeigten sich vereinzelte Vorteile bei bestimmten Nebenwirkungen. Dem steht laut dem IQWiG allerdings eine Vielzahl von Nachteilen gegenüber: Zahlreiche, insbesondere auch schwere Nebenwirkungen traten unter Dacomitinib häufiger auf.

Häufiger und zudem früher komme es zu einer Verschlechterung von patientenberichteten Symptomen. Auch die gesundheitsbezogene Lebensqualität verschlechterte sich stärker als unter Gefitinib.

Gerade die Einbußen in der Lebensqualität sind bemerkenswert. Die Daten sind selten so deutlich wie hier“, sagte Thomas Kaiser, Leiter des Ressorts Arzneimittelbewertung im IQWiG. In der Summe heben die negativen Effekte laut den IQWiG-Wissenschaftlern den positiven Effekt beim Gesamtüberleben auf. „Ein Zusatznutzen von Dacomitinib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ist somit nicht belegt“, so ihr Fazit.

hil

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung