Isolierte Gaumenspalte ein lebenslanges Gesundheitsrisiko
Bergen – Kinder, die mit einer isolierten Gaumenspalte geboren werden, leiden im weiteren Leben häufiger als andere an einer Reihe von Erkrankungen. Auch das Sterberisiko war in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie in JAMA Pediatrics (2016; doi: 10.1001/jamapediatrics.2016.1925) leicht erhöht. Bei einer kombinierten Lippen-Gaumenspalte war das Morbiditätsrisiko leicht erhöht. Kinder mit (korrigierter) isolierter Lippenspalte hatten keine Probleme.
Isolierte Gaumenspalten treten manchmal als Teil eines genetischen Syndroms auf, das auch andere Körperbereiche betrifft. Die chirurgische Korrektur der Spaltbildung kann dann nicht alle gesundheitlichen Probleme der Kinder lösen. Was außer der Spaltbildung zum Syndrom gehört, ist bei der Geburt in der Regel nicht erkennbar. Es fehlen deshalb genaue Daten zu den gesundheitlichen Handicaps.
Erik Berg von der Universität Bergen in Norwegen hat hierzu die Daten der verschiedenen Krankheitsregister des Landes ausgewertet. Da die Einwohner in allen Registern die gleiche Identifikationsnummer haben, konnte Berg klären, ob Kinder mit isolierter Gaumenspalte später unter anderen gesundheitlichen Problemen leiden. Dies ist tatsächlich der Fall.
Kinder mit isolierter Gaumenspalte hatten 11,5-fach häufiger als Kinder ohne irgendeine Spaltbildung eine geistige Behinderung. Schwere Lernbehinderungen wurden 10,6-mal häufiger diagnostiziert. Autismus-Spektrum-Störungen traten 6,6-fach häufiger auf. Das Risiko auf eine Zerebralparese war 4,8-fach erhöht, eine Epilepsie 4,9-mal häufiger als bei Nicht-Spaltkindern. Für Muskel- oder Skeletterkrankungen ermittelte Berg ein 2,7-fach erhöhtes Risiko, Angststörungen wurden 2,9-mal häufiger diagnostiziert. Auch das Sterberisiko war um den Faktor 3,4 erhöht (auch wenn im Alter von 45 Jahren noch über 97 Prozent der Betroffenen am Leben waren).
Auf die Spaltbildung selbst ist die erhöhte Morbidität und Mortalität nicht zurückzuführen. Das norwegische Gesundheitswesen bietet allen Familien eine kostenlose Korrektur an, die in der Regel auch angenommen werden dürfte. Kinder mit Gaumenspalte sind deshalb keinen Diskriminierungen ausgesetzt.
Bei Kindern mit isolierter Lippenspalte könnte dies anders sein, da die Operation oft über Jahre sichtbare Spuren hinterlässt. Ein erhöhtes Morbiditäts- oder gar Mortalitätsrisiko gibt es laut der Analyse von Berg jedoch nicht. Nicht ganz klar ist die Situation bei Kindern mit kombinierter Lippen-Gaumenspalte. Berg ermittelte hier ein um den Faktor 2,2 erhöhtes Risiko auf eine geistige Behinderung sowie ein 2,6-fach erhöhtes Risiko auf eine Zerebralparese.
Die relativen Risiken dürfen nicht mit den absoluten Risiken der einzelnen Kinder verwechselt werden. So hatten von 695 Kindern mit isolierter Gaumenspalte „nur“ 40 später eine geistige Behinderung, schwere Lernbehinderungen traten bei 9 Kindern auf, eine Zerebralparese bei 7 Kindern und eine Autismus-Spektrum-Störung bei 5 Kindern. Die allermeisten Kinder mit isolierter Gaumenspalte haben im späteren Leben keine Gesundheitsprobleme und ihre Lebenserwartung dürfte normal sein.
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