Nutzen der Nasoalveolar-Molding-Methode bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalten unzureichend untersucht

Köln – Die Vor- und Nachteile der Nasoalveolar-Molding (NAM)-Methode zur Therapie einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (LKGS) bei Neugeborenen sind bisher unklar. Zu diesem Ergebnis kommt eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), die im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) das Thema in einem HTA-Bericht untersuchte. Demnach sind die vorliegenden Studienergebnisse von schlechter Qualität und machen nur Aussagen zur Gesichtsästhetik und -symmetrie, aber nicht zu möglichen Nebenwirkungen.
Die LKGS ist eine der häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Sie beeinträchtigt nicht nur die Gesichtsästhetik der Kinder sehr stark, sondern kann auch verschiedene körperliche Funktionen wie Atmung, Sprache, Gehör oder Nahrungsaufnahme einschränken. Behandlungsziele sind unter anderem die frühzeitige Korrektur der Fehlbildung, das Normalisieren der lebenswichtigen Funktionen und eine verbesserte Symmetrie des Gesichts – also wichtige Voraussetzungen für eine körperlich, emotional und sozial möglichst normale Entwicklung der betroffenen Kinder und Jugendlichen.
Dem IQWiG zufolge ist die Behandlung der betroffenen Kinder langwierig und komplex: Um die LKGS zu verschließen und die körperlichen Funktionsstörungen zu beheben, sind häufig mehrere operative Eingriffe erforderlich. Die Operationen stellen bereits zu Lebensbeginn eine große körperliche Belastung für den Säugling dar.
Die NAM-Methode soll die Ausgangslage für die Operation verbessern sowie die Notwendigkeit späterer Folgeoperationen insbesondere Nasenkorrekturen minimieren. Dazu erhalten die Kinder eine individuell angefertigte Gaumenplatte mit Nasensteg, die den Spalt mittels Druck- und Zugkräften verkleinern soll. In Deutschland gibt es bisher nur wenige spezialisierte Kliniken, die eine NAM-Behandlung regelmäßig durchführen, so die IQWiG-Experten.
Vier Studien untersuchten bisher NAM-Behandlung
Entsprechend dünn fällt auch die Studienlage aus. Die Analyse von vier Studien zur NAM-Behandlung ergab: Es gibt vorrangig Informationen über das Aussehen des Gesichts, etwa die Körpermaße der Nasenregion. Wichtige Einflüsse auf das Behandlungsergebnis, wie etwa die Ausprägung der Spaltfehlbildung, wurden in den Studien nicht berücksichtigt.
Zudem wurden die Studienteilnehmer meist nur über einen kurzen Zeitraum beobachtet. Ob eine NAM-Behandlung die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Betroffenen oder körperliche Funktionen wie Atmung oder Sprache verbessert, wurde nicht untersucht. Auch Ergebnisse zu Nebenwirkungen wie Schmerzen oder Narben sowie zur Anzahl und Dauer der Operationen fehlen. Deshalb kommt der HTA-Bericht zu einem eindeutigen Schluss: „Aussagen zum Nutzen oder Schaden der NAM lassen sich deshalb aus diesen Studien nicht ableiten.“
Um die Betroffenen nicht unnötigen Risiken auszusetzen, haben die Wissenschaftler deshalb gefordert, den medizinischen Nutzen der NAM-Methode mit validen Daten zu untermauern – auch bezüglich der erklärten Ziele, nämlich weniger Operationen und bessere Behandlungsergebnisse. Diese Aspekte sollten zukünftig in hochwertigen Studien mit höherer Aussagesicherheit untersucht werden.
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