Jahresbilanz: 36 neue Medikamente, mindestens 20 Zulassungserweiterungen

Berlin – Im abgelaufenen Jahr sind 36 neue Medikamente auf den Markt gekommen. Außerdem wurde die Zulassung bei mindestens 20 Arzneimittel erweitert. Diese Zahlen nannte der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) in einer Art Jahresbilanz.
„Ein Fokus liegt auf schweren, oft lebensbedrohlichen Krankheiten“, hatte vfa-Präsident Han Steutel bei der Vorstellung der Arzneimittel-Innovationsbilanz im Dezember in Berlin betont. Das werde vielen Patienten in schwieriger Lage zugutekommen.
Die 36 Medikamente mit neuem Wirkstoff betreffen der „Innovationsbilanz“ zufolge in 13 Fällen Krebserkrankungen. Rund die Hälfte dieser neuen Krebsmedikamente zählt zur Gruppe der oral anwendbaren Kinasehemmer, die in den Krebszellen auf jeweils unterschiedliche Weise Signale für die Zellteilung unterbinden.
Zwei andere Krebsmedikamente – gegen Brustkrebs und gegen Gebärmutterhalskrebs – enthalten Antikörper-Wirkstoff-Konjugate. Mit ihrem Antikörperteil binden sich diese an die Krebszellen, von denen sie anschließend ins Innere gezogen werden. Dort töten die anhängenden Wirkstoffe die Krebszelle ab.
Sechs neue Wirkstoffe sind laut vfa gegen Stoffwechselerkrankungen verfügbar geworden. Zu diesen zählt unter anderem das erste Medikament gegen die Metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis (MASH), eine fortgeschrittene Form von Fettlebererkrankung. Es wird geschätzt, dass daran rund drei bis fünf Prozent der Erwachsenen in den Industrieländern leiden.
In vier Fällen betreffen die Innovationen neurologische Krankheiten ohne Krebs, darunter zwei neue Medikamente zur Behandlung der Alzheimerdemenz. Beide können allerdings nur im Frühstadium und nach aufwendiger Diagnostik eingesetzt werden.
In drei Fällen betreffen die Innovationen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ebenfalls in drei Fällen Infektionskrankheiten, außerdem in zwei Fällen immunologische Erkrankungen, in zwei Fällen Blutungskrankheiten und in einem Fall Muskelerkrankungen. Zwei weitere Wirkstoffe listet der Report unter „Sonstige Erkrankungen“.
Einige der neu eingeführten Arzneimittel adressieren häufige Krankheiten, aber rund zwei Drittel (24 Medikamente) haben eine seltene Erkrankung als Anwendungsgebiet.
Nach Angaben des vfa hätten 2025 sogar noch mehr Medikamente für Neueinführungen bereitgestanden. „Um die Versorgung mit neuen Arzneimitteln wieder umfassend zu gewährleisten, brauchen wir eine innovationsfreundliche, wachstumsorientierte Arzneimittelpolitik in Deutschland und Europa“, sagte Steutel.
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